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Anorganische Chemie
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Gesichtspunkte, welche mich bei dem Unternehmen geleitet haben,ergeben und rechtfertigen sich, wie ich hoffe, mit diesen wenigen Be-merkungen zur Genüge.

Ueber die äussere Form der Arbeit sei gleichfalls in Kürze nurFolgendes gesagt. Wie das Experiment den am Ausbau der Natur-wissenschaften Betheiligten ganz unentbehrlich ist, erscheint nichts sogeeignet, auch den Lernenden rasch in das Verständniss chemischerVorgänge einzuführen, als der mit Geschick angestellte Vorlesungsver-such. Man muss die grundlegenden Thatsachen in reiner Form undvon störenden Umständen möglichst wenig beeinflusst gesehen haben,ehe man die theoretischen Erörterungen erfassen kann, welche dazudienen, den Zusammenhang zwischen den ersteren herzustellen und neueGebiete zu erschliessen. Ein solcher Versuch ist mitunter lehrreicher,als seitenlange Deductionen. Das geschriebene Wort ist aber oft nichtim Stande, den Vorlesungsversuch in seinen wechselnden Phasen undmit seinen Nebenumständen so zu beschreiben, dass hierdurch die directeAnschauung völlig ersetzt wird. Ein Lehrbuch, das nicht ausschliess-lich das Ziel verfolgt, als Repetitorium der Experimentalvorlesung zudienen, das vielmehr auch noch ergänzen, weiter anregen und nötigen-falls dem Selbststudium dienen soll, kann daher sehr wohl von der ein-gehenden Beschreibung derartiger Experimente Abstand nehmen. Da-durch wird Raum gewonnen und die Aufmerksamkeit des Lesers nichtunnöthig ermüdet. Andererseits ist aber der chemische Process, wie erden Zwecken der Praxis dienstbar gemacht wird, im Princip für einenJeden kaum schwerer zu verfolgen, als ein Vorlesungsversueh, den maneben nicht sieht, sondern nur beschrieben findet. Daher erschien esmir zweckmässig, in dem Bande, der die anorganische Chemie behan-delt, die einzelnen Abschnitte mit dem Hinweiss auf die wichtigerenMethoden der chemischen Fabrication zu vervollständigen. Hierdurchgewinnt der Anfänger in der Chemie, wie auch der Studirende ver-wandter Fächer wenigstens in Umrissen ein Bild von den Leistungender chemischen Grossindustrie. Aber auch dem Fortgeschrittenerendürfte der Versuch, in einem kürzeren Lehrbuch die stete Wechsel-wirkung zwischen Theorie und Praxis mehr zu berücksichtigen alsdieses gewöhnlich geschieht, nicht unwillkommen sein. Diese Behandlungdes Lehrstoffes ist endlich vom historischen Standpunkte aus eine wohl-berechtigte, weil die meisten neueren Fortschritte des chemischenWissens und Könnens sich auf den innigen Zusammenhang beiderRichtungen zurückfuhren lassen. Es schien deshalb auch angezeigt,den geschichtlichen Daten eine fortwährende Aufmerksamkeit zuwidmen und dieses war um so leichter, als ja die classischen Arbeitenvon H. Kopp nach dieser Seite eine ebenso reichhaltige als zuver-lässige Quelle darbieten.

Heidelberg, im Mai lS'.U.

F. Krafft.