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Vortäuschung von Krankheiten
Entstehung
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diesem ahmt der Erfinder fast alle bekannten Entlarvungs-versuche nach. Bourdon lässt durch eine aus 2 Röhrenbestehende Geräthschaft sehen; die Oculare sind Prismen,und an den Objectiven befinden sich bewegliche Blättermit rechts und links verschiednen Figuren.

Ein von Miller empfohlenes Verfahren ist folgendes:Auf ein Blatt Papier wird eine Reihe senkrecht überein-ander stehender Zeichen von der Grösse der Snellen'schenNr. 50 und in gegenseitigem Abstände von je 2 cm auf-getragen und senkrecht vor die Mittellinien des Gesichtsgebracht. Der Prüfling wird nun aufgefordert, mit einemBleistift die Zeichen der Reihe nach zu durchstreichen.Nachdem dies richtig geschehen, wird ihm eine neueZeichenreihe in die Bland gegeben, und ein Prisma von7 bis 9 0 mit der Basis nach oben oder unten vorgehalten.Lässt man nun wieder durchstreichen, so wird einbinoculär Sehender dort Durchstreichungen vornehmen,wo keine Zeichen stehen und so seinen Betrug selbstbescheinigen.

Endlich lassen sich Verdächtige bisweilen auch da-durch überführen, dass man sie aus einem Buche lautvorlesen lässt. Wird ihnen dabei plötzlich ein Prismamit der Basis nach oben oder unten vorgehalten, so trittDoppelsehen auf und verwirrt die Buchstaben so, dass dasWeiterlesen unmöglich wird (Berthold).

Den Prismaversuchen und den nun zu besprechendenStereoskopversuchen haften, wenn auch letzteren in ge-ringerem Grade, einige beträchtliche Mängel an. Bisweilenkennt der Betrüger die einschlagenden optischen Gesetze;auch kann er sich durch Zukneifen des einen Augesdarüber belehren, was er sehen soll oder darf; fernergelingt es ihm wohl auch durch Uebung, von der Wahr-nehmung seitens des einen Auges zu abstrahiren; es kannauch bei verschiedener Sehschärfe oder Brechung mon-ocular gelesen werden, und endlich unterscheidet sichdas durch das Prisma sichtliche zweite Bild durch denGlanz vom ersten, indem jenes farbige Ränder zeigt.