Kreosotum.
625
tTeberschusse des Reagens löslicher Niederschlag entstehen muss. (Ist derNiederschlag nicht loslich, so entstammt er auch nicht dem Guajacol.)
Das Englische Kreosot ist gewöhnlich ein Fichtenholztheerkr eosotUnd enthält nur Spuren Guajacol, welches die Basis des Buchenholztheerkreosots,des officinellen Deutschen Kreosots, ist. Das Englische Kreosot enthält Carbol-säure und Kresol in reichlicher Menge, hat auch wohl einen Geruch, der gleich-zeitig an Terpenthinöl erinnert. Es darf nicht in Deutschland als Arzneistoff inStelle des Buchenholztheerkreosots verwendet werden.
Das Englische Kreosot ist in Glycerin wie das Deutsche fast nicht löslich,es löst aber nicht wie dieses Glycerin auf und vermehrt daher mit Glycerin ge-schüttelt sein Volumen nicht. Die wässrigo Lösung mit Ferrichloridlösung ver-setzt liefert keinen dunkelbraunen, sondern hellbraunen Niederschlag und dieWässrige Lösung mit lOproc. Stanochloridlösung versetzt liefert einen im Ueber-Scliusse des Reagens unlöslichen Niederschlag (Grätzel). Die Erkennung dieser^flglischen Waare ist also keine so schwierige.
Mit Englischem Kreosot (MousON'schen Kreosot), echtem Buchenholztheer-kr eoaot oder Deutschem Kreosot und Carbolsäure hat Grätzel (Arch. d. Pharm.*°77, erste Hälfte S. 130 u. f.) vergleichende Prüfungen angestellt. Aus deinBerichte darüber ist zu entnehmen, dass bei der Reaction mit Ferrichlorid Wein-geist ausgeschlossen bleiben muss; dass Kreosot mit Glycerin geschüttelt von'esern etwas löst, beim Erwärmen aber das Gelöste wieder abgiebt, dassProc. Carbolsäure dem Kreosot beigemischt dieses dadurch in Glycerin löslichachen, dass die Oxydationsproducte mittelst Salpetersäure neben Oxalsäure auchürokörper enthalten können, dass Kreosot mit Bromwasser einen orangegelbcn,wbolsäure damit einen weissen Niederschlag (Tribromphenol) ausgiebt, dass dasorson'scIio Kreosot noch andere Oelo (Terpenthinöl) enthält und aus Fichten-1 ztheer gewonnen ist, welches Kreosot also kein Guajacol enthält und desshalb8 Arznei Substanz verworfen werden muss.
Grätzel characterisirt das Buchenholztheer-Kreosot in folgendereise: Es bestellt vornehmlich aus Guajacol und nur wenig Kreosol. Esfarblos oder weingelb, von ölähnlicher Consistenz und von 1,08 spec. Gew.«■wischen 200—226 ° C. destillirt es unverändert. Bei Monate langem Stehen darf|j 8 wohl dunklen- gelb, aber nicht roth werden. Seine Lösung in Aetzalkalilauge"Mf mit Wasser verdünnt kein Oel abscheiden. Es soll in 80 Th. kaltem Was-J? löslich sein und vom Glycerin 50 Proc. seines Vol. aufnehmen. Eine Ver-gebung mit Karbolsäure kann annähernd durch fractionirte Destillation, oderesser dadurch nachgewiesen werden, dass man mittelst gesättigter weingeistigeretzkalilaugo eine Kaliverbindung beistellt und diese aus Aether umkrystallisirt,obei Carbolsäure in der Mutterlange verbleibt, aus welcher sie durch eine Säureab gescl,ieden werden kann.
Anwendung. Kreosot ist in neuerer Zeit (von Bouchard und Gimpebt)8 ein vorzügliches Mittel bei I'litliisis, überhaupt gegen viele Bronchialleiden»pfohlen und auch von einigen Seilen als solches erkannt worden. Es mindertbesonders die Secretionen der Schleimhäute und lässt auch eine tonisirende Wir-ung erkennen. Das Athmungsgeräusch nimmt einen besseren Ton an und^ Cü eint eine Vornarbung der eiternden Stellen in den Lungen vor sich zu gehen,aoc h sind bei wirklicher Phthisis diese Erfolge nur von der Dauer, während wel-ker das Mittel gebraucht wird. Daher ist ein Monate und Jahre hindurchgerader Gebrauch mit nur seltenem, höchstens ein bis zwei Wochen dauerndem^•htgebrauch abwechselnd nothwendig. Die Tagesgabe ist zu 0,1—0,2 — 0,3,selbst — o,4 versucht, aber stets mit der kleineren Gabe der Anfang gemachtworden. Als Vehikel wurden Malagawein oder Leberthran empfohlen. Zur
L&gei, Pharm. Praxis. Suppl.
40