Druckschrift 
Kommentar zum Arzneibuch für das Deutsche Reich : mit Zugrundelegung des amtlichen Textes, sowie einer Anleitung zur Massanalyse ; im Anschluss an den Schlickumschen Kommentar
Entstehung
Seite
399
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

-"r '

399

so dem Gemeinwesen organische Nahrung zufülirt. Der Pilz bildet beiCetraria ein blattartiges, bis 10 cm hohes, aufsteigendes Hvphengewebe(Thallus), an welchem eine lockere Markschicht und dicht verwebte Rinden-schichten wahrzunehmen sind. Bisweilen wuchert die lockere, weisserscheinende Markschicht durch die Rindenschicht und bildet dann weisseFlecke. Die bei den Flechten alsGonidien" bezeichneten grünen Algen(hier Cystococcus humicola Näg.) befinden sich in einer bestimmten Schichtzwischen Rinde und Mark. Die Fruchtkörper (Apothecien oder Becher) sitzenbei Cetraria am Rande der Thalluslappen; nicht selten fehlen sie gänzlich.Die aus Hyphen hervorgehenden Apothecien bestehen aus einer napf-förmigen Hülle (peridium) und dem meist gefärbten Hymenium, welchletzteres aus aufrechtstehenden Sehlauchzellen besteht. Ein Teil dieserSchlauchzellen bildet Sporen (echte Schläuche), ein anderer Teil bleibtvegetativ (Paraphysen). Ausser den Schlauchfrüchten bildet Cetraria auchKonidienfrüchte (nicht zu verwechseln mit Gonidien, den grünen Algen s. oben).Die Konidienfrüchte sitzen auf den Spitzen der Randfranzen. Sie ent-halten zahlreich«' Mikrokonidien, welche unter günstigen Bedingungen ebensowie die Sporen zu einem Thallus heranwachsen können, der nach Aufnahmevon Gonidien zur Flechte wird.

Zur Jiesclireibung: Ein aufrechtes, rinnenf(inniges, nach oben zuverbreitertes, unregelmässig gabelspaltiges Laub, dessen Fläche kahl,oberseits bräunlichgrün oder kastanienbraun, am (1 runde blutrot angelaufen,unterseits hellfarbig, am Rande braun gewimpert, von knorpeliger, imaufgeweichten Zustande von lederartiger Beschaffenheit ist. Die rand-ständigen braunen Apothecien fehlen meist der Handelsware. In Wasserquillt die Flechte auf, infolge der Anwesenheit einer die Zellwände derMarkschicht bildenden Pflanzengallerte (Lichenin), deren durch Kochenmit Wasser gewonnene Lösung beim Erkalten gallertartig erstarrt. Jod-lösung färbt die Gallerte blau.

Bestandteile: 2 Kohlenhydrate, davon eines im kalten Wasser löslichund durch Jod sich bläuend, das andere in kaltem Wasser nur aufquellendund sich mit Jod nicht bläuend (Lichenin, Moosstärke), Cetrarsäure (Bitter-stoff) und Lichestearinsäure. Die bittere Cetrarsäure, deren Sitz in derRinde ist, lässt sich durch kaltes Ausziehen mit Kaliumkarbonatlösung(1 = 100) entfernen.

Gebrauch: Als nährendes und reizmilderndes Mittel bei Lungenleiden,m Abkochung oder als Gallerte.

Lignum Guajaci. Guajakholz.

Das Kernholz Guajacum officinalc. Es ist aussen braunoder grünlich, innen bräunlich, hart und sinkt in Wasser unter.Jtsei mikroskopischer Betrachtung lässt der Querschnitt des HolzesMarkstrahlen erkennen, welche 1 Zelle breit und 3 bis 6, meist4 Zellen hoch sind. Die zwischen den Markstrahlen liegendenwewebemassen zeigen teilweise mit braunem Harze gefüllte, fastimmer einzeln stehende Tracheen, welche meist so breit sindwie der Raum zwischen den Markstrahlen. Ferner bestehen diese«ewebemassen aus tangential laufenden, 1 bis 2 Zellen breiten,unregelmässigen Querbändern von Holzparenchymzellen, in denenteilweise Oxalatkrystalle liegen, und aus dickwandigen Skle-