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2 (1896) Organische Chemie
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Darstellung des Leuchtgases.

Berlin und Hannover im Jahre 1826, Dresden und Frankfurt a. M. imJahre 1828 die erste Gasbeleuchtung.

Darstellung. Die Darstellung des rohen Leuchtgases geschieht durchtrockene Destillation der Steinkohle in cylindrischen Retorten von Gusseisenoder gewöhnlich von feuerfestem Thon. Ausser gasförmigen Producten — Roh-leuchtgas — erhält man hierbei ein wässeriges Destillat, welches Ammoniak,Cyanammonium, Ammoniumcarbonat, Rhodanammonhvm, Schwefelammonium etc.in Lösung enthält — Gaswasser oder Ammoniak wasser —, und ferner einedicke, schwarze, theerartige, unangenehm riechende Flüssigkeit, den Stein-kohlentheer. Als Rückstand verbleibt in den Retorten eine poröse, durch an-organische Bestandteile mehr oder minder verunreinigte Kohle, der.sogenannteCoaks oder Coke. Zur Trennung und weiteren Reinigung leitet man die ausden Gasretorten entweichenden flüchtigen Destillationsproducte durch auf-steigende Röhren in kleine Vorlagen, die eine Schicht Wasser enthalten, durchwelche die heissen Gase hindurchstreichen müssen. Da eine jede Retorte miteiner solchen Vorlage in Verbindung steht, so sind gleichzeitig hierdurch dieeinzelnen Retorten von einander abgesperrt.

Aus den Vorlagen fliesst das verdichtete Gaswasser und der Theer durchbesondere Röhren in die Theercisterne, während die gasförmigen Producte zurAbkühlung durch ein System auf- und absteigender Röhren nach den Reinigungs-apparaten übergeführt werden. Um das in den Retorten gebildete Rohleucht-gas schnell aus denselben zu entfernen — bei längerem Verweilen tritt in Folgeder Zersetzung des Aethylens in Kohle und Sumpfgas eine Verminderung derLeuchtkraft ein —, sind die Vorlagen mit einer Luftpumpe — Exhaustor —verbunden.

Aus dem Kühlröhrensysteme gelangt das Leuchtgas zur Entfernung desSchwefelwasserstoffs, Schwefelammoniums, Schwefelkohlenstoffs und des mecha-nisch mit fortgerissenen Theers in die mit Coaks, welcher beständig mit Wasserbefeuchtet wird, gefüllten Waschapparate — Scrubbers —. Da jedoch inden Scrubbers letztere Verunreinigungen des Leuchtgases, besonders die schwefel-haltigen Verbindungen noch nicht vollständig entfernt werden, so leitet mandas Gas zu diesem Zwecke noch über die sogenannte Laming'sche Masse,ein Gemisch aus gelöschtem Aetzkalk, Eisenvitriol und Sägespänen, welchesdurch 24stündiges Liegen an der Luft oxydirt worden ist, und von hierausschliesslich in die zur Aufbewahrung bestimmten Gasometer.

100 kg guter deutscher Steinkohle liefern 22 bis 28 cbm Gas, 5 bis 6 kgTheer, 60 bis 70 kg Coaks und 6 bis 8 Proc. Ammoniakwasser von 2 bis 3 Proc.NH 3 -Gehalt.

Die Zusammensetzung des aus Steinkohlen bereiteten, gegenwärtigam meisten zur künstlichen Beleuchtung benutzten Leuchtgases ist jenach der Beschaffenheit der verwendeten Steinkohle und dem Grade derErhitzung derselben bei der Darstellung des Gases eine sehr ver-schiedene. Das specifische Gewicht desselben schwankt zwischen 0,4 und0,5 (Luft = 1). Die Bestandteile des gereinigten Steinkohlengaseszerfallen in zwei Gruppen, nämlich in solche, welche angezündet mit hell-leuchtender Flamme verbrennen, und in solche, die nur mit wenig odergar nicht leuchtender Flamme verbrennen. Die wichtigsten Vertreterder ersten Gruppe, welche als schwere Kohlenwasserstoffe be-zeichnet werden, sind Aethylen: C 2 H + , Propylen: C 3 H 6 , Butylen: