52 Allgemeine chemische Beziehungen der organ. Verbindungen.
Isomer in Folge verschiedener Vertheilung der mit ein und demselbenKohlenstoffkerne in Verbindung stehenden Elemente sind z. B. die beidenoben erwähnten Verbindungen, das Aethylenchlorid und das Aethyliden-chlorid, ferner die Gährungs- oder Aethylidenmilchsäure und die Aethylen-niilchsäure:
CH 3 CH 3 .OH
| I
CH.OH CH 2
I I
CO.OH CO.OH
(jälirungsmilchsäure Aethylenmilchsäure.
Dasselbe gilt von den Verbindungen der Molecularformel C 3 H 6 0:
CH 3 CH 2
I II
CO CH
CH 3 CH 2 .OH
Aceton Allylalkohol.
(Siedepunkt 56°) (Siedepunkt 96° bis 97°)
In dem Maasse, wie die Zahl der Kohlenstoffatome in den Molecülender organischen Verbindungen, bezüglich in den darin enthaltenenKohlenstoff kernen steigt, wächst naturgemäss auch die Verschiedenartig-keit, welche in der Stellung obwalten kann, die die einzelnen Kohlenstoff-atome einestheils zu einander, anderenteils auch zu den übrigen mitihnen in Verbindung stehenden Elementen einzunehmen vermögen. Jekohlenstoffreicher daher die organischen Körper sind, um so zahlreichermüssen auch die der Theorie nach möglichen Isomeriefälle sein, eineAnnahme, welche durch das Stadiuni derartiger Verbindungen eine voll-kommene Bestätigung findet.
Wird auch die Mehrzahl der Isomerien durch die gewöhnlichenStructurformeln in bündiger Weise erklärt, so giebt es doch eine nichtunbeträchtliche Zahl von Isomeriefällen, wo jene sieh als unzureichenderweisen. Die Ursache hiervon ist in dem Umstände zu suchen, dassdie gewöhnlichen Structurformeln kein volles Bild der chemischen Con-stitution der betreffenden Verbindungen geben, da sie von der räum-lichen Lagerung der Atome abstrahiren.
Verbindungen, deren Isomerie von der gewöhnlichen abweicht, diedaher durch die gewöhnlichen Structurformeln nicht zum Ausdruckkommt, hat man formell als alloisomere und die Erscheinung selbstals Alloisomerie bezeichnet. Eine Erklärung dieser Isomeriefälle er-strebt man durch räumliche Vorstellungen über die gegenseitige Grup-pirung der Atome im Molecül. Die hierzu erforderlichen Structurformelnwerden als räumliche, oder als geometrische, oder als stereo-chemische bezeichnet. Letztere dienen zur Erklärung der physi-kalischen Isomerie im Besonderen, sowie der Stereoisomerie odergeometrischen Isomerie im Allgemeinen.