s° 2
Neuere Typentheorie.O 2
39
Wasser(secund. Typus)
SO 2H 2
Schwefelsäure
y° 2
MonothionigeSäure
Bai
H 2 }Baryum-hydroxyd
Snl
O 2
SnJZinnoxydul
0 2
S0 2 J U
Zinksulfat
etc.
Wo 2HgJ
Quecksilberoxyd
Bei der Anwendung der typischen Formeln ist jedoch zu berück-sichtigen, gleichgültig, ob sie die Zusammensetzung organischer oderanorganischer Körper zum Ausdruck bringen, dass dieselben keines-wegs ein Bild geben von der Lagerung der Atome inner-halb des Molecüls der betreffenden Verbindungen. Dietypischen Formeln sind nichts Anderes, als eine einfache übersicht-liche Schreibweise, aus der sich die verschiedenen Beziehungen,Analogien und Umsetzungen zwischen den einzelnen Verbindungen leichtin anschaulicher Weise erkennen lassen. Es würde daher dem "Wesender typischen Auffassungsweise bei Weitem mehr entsprechen, wenn die-selbe als Typenschreibweise und nicht als Typentheorie bezeichnetwürde.
Trotzdem die Typenschreibweise die Constitution der Verbindungenin keiner Weise veranschaulicht, ist es doch nicht zu verkennen, dass sieeinen wesentlichen Einfluss auf die Entwickelung der Chemie, besondersder organischen Chemie, ausübte, indem sie eine übersichtliche und an-schauliche Classification einer grossen Anzahl von Verbindungen nacheinem einfachen Principe ermöglichte. Erst mit der weiteren Entwicke-lung der Chemie und mit der zunehmenden Complication der einzelnenVerbindungen stellte es sich allmälig heraus, dass die Typenschreibweise,abgesehen davon, dass sie keinen tieferen Einblick in die Constitutionder Körper gestattete, unzureichend war für die Erklärung zahlreicherchemischer Vorgänge und Erscheinungen. Die Anhänger der Typen-schreibweise suchten zwar diesen Mängeln durch die Aufstellung neuer,complicirterer Typen, der sogenannten gemischten oder Combina-tionstypen (Vereinigung zweier verschiedener Typen zu einem Mole-cül, z. B. H.H, HII.O; NH 3 , IIH. 0) zu begegnen, ohne jedoch die-selben zu beseitigen. Ja, es ging sogar durch diese complicirten Typendie ursprüngliche Klarheit und Uebersichtlichkeit der typischen Schreib-weise mehr oder minder verloren.
Diese Mängel der Typenschreibweise und vor Allem das Bestreben,einen tieferen Einblick zu gewinnen in die Constitution der Verbindungenund in die Lagerung der Atome innerhalb der Verbindungsmolecüledrängten allmälig zu einer eingehenderen Begründung der Affinitäts-erscheinungen und führten so zu der gegenwärtig herrschenden Theorieder chemischen Structur.