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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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1068
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Blutegel.

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von ausserordentlicher Stärke. Hat der Blutegel sich vollgesogen, wobeier im Durchschnitte mehr als das eigene Gewicht Blut aufgesogen, so fallter ab. Bei seinem Aufenthalte im Freien erhält er die Gelegenheit zurAufnahme von so viel Blut viel seltener. Hier hat er sich mit den un-gleich geringeren Quantitäten zu begnügen, die er von Reptilien und hinund wieder zufällig an Säugethieren aufsaugen kann. Nach der Einnahmevon Nahrung geschieht, im mittleren Europa im Monat Mai und Juni, dieBegattung. Diese geschieht auf dem Grunde der Gewässer, wobei dieThiere an Wasserpflanzen, Baumwurzeln, etc. hangen. Die Geschlechtsorganeliegen am Bauche, das männliche in der Fortsetzung des 24, das weib-liche in der Forlsetzung des 29 Leibringes jedes Thieres. Fortpflanzungs-fähig sind erst 4jährige Thiere. Als Haftorgan dient eine lange, weisse,fadenförmige Ruthe, die aber nur kurz vor der Begattung hervortritt. DieBegattung ist gegenseitig. Vier bis fünf Wochen nach der Begattung be-geben sich die befruchteten Blutegel an die Ufer der Gewässer. Jeder der-selben zeigt um diese Zeit an der Stelle, wo das weibliche Geschlechtsor-gan liegt, eine ovale Anschwellung. Am Ufer durchfurchen die befruchte-ten Thiere den Boden in langen Gängen, bis sie an eine Stelle gelangen,wo der Boden warm genug, hinreichend feucht aber nicht sehr nass ist.Hier beginnt das Legen (um Johanni) der Eier. Der Blutegel sondert zu-erst eine halbflüssige, eiweissartige, lufterfüllte, beim Hervortreten schaum-artig erhärtende Flüssigkeit ab, die den Körper erst haufförmig umgiebt,dann aber durch langsames Abstreifen und Durchziehen des Körpers eineeiförmige festgeschlossene, aussen häutige, innen schwammige, poröse ha-selnussgrosse Hülle (Cocon) bildet, innerhalb deren, die Eier in einer se-rumhaltigen Flüssigkeit liegen. Die naturgemässe, nicht zu feuchte, nichtzu trockne Lage des Cocon, der Zutritt von Luft und eine gleichmässigewarme Temperatur sind weitere nothwendige Bedingungen für die günstigeEntwickelung der jungen Brut. Kommen während der Zeit, dass dieselbeunausgekrochen in den Cocons sich befindet, Hochfluthen (was übrigensin dieser Zeit selten geschieht), treten die Gewässer aus ihren Ufern underfüllen sie die an denselben gelegenen Höhlungen, in denen die Coconsliegen , so geht sämmfliche Brut zu Grunde. Die Cocons finden sich, dannmit einer schwarzen fauligen Jauche erfüllt und werden von den Fluthenan die Ufer gespült. Allzu grosse Trockenheit, erzeugt durch grosse Hitze,ist den Cocons auch schädlich. Die junge Brut zieht ihre erste Nah-rung aus dem eiweishaltigen Stoffe der in den Cocons enthaltenen Serum-flüssigkeit. Diese muss aber flüssig oder halbflüssig bleiben, welcherZweck dadurch erfüllt wird, dass die Masse des Cocons durch ihre grossePorosität hygroscopisch ist und einerseits Luft, andererseits Feuchtigkeitaufsaugt und beides nach Innen führt. Hierzu müssen sich die Cocons inunmittelbarem Bereich feuchter Erde, nicht aber in Berührung mit Wasserselbst befinden. Trockenheit und Wärme macht die Cocon zu einer horn-artigen, dichten, unporösen Masse zusammentrocknen und vernichtet dieBrut. Die Zahl der jungen, in einem Cocon sich entwickelnden Blutegelist nicht immer gleich. Sie hängt von der Grösse und dem Alter desMutteregels und von der erlangten Nahrung desselben ab. Gewöhnlichfindet man in gut ausgebildeten Cocons 711 junge Thiere, in kleinerenweniger, selten 3 und 5, zuweilen 2, wo dann gewöhnlich einer mehr ausge-bildet ist, als der andere; eben so selten mehr als 1113. In ihrem freienAufenthalte ist die junge Brut in 4 5 Wochen, von Tegung des Coconsan so weit, dass sie die Hülle des Cocons, dessen nahrungsfähige Substanzum diese Zeit vollständig aufgesogen ist, zu durchbohren vermögen und gleichdarauf in munteren Bewegungen im Wasser sich tummeln. Sie sind in die-