Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
1051
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Hautflügler. Ameisen.

1051

nen sich auch durch ihre geringere Grösse, ihre rauhe Oberfläche, ihredunkle Farbe und ihre grössere specifische Schwere von den grösseren,gelben, glatten und leichten Smyrnaer Gallen aus. Die ersteren enthaltenbis 65°/ 0 , die chinesischen Galläpfel 70°/ 0 Eichengerbsäure.

B. Hautflügler mit einem Wehr- oder Stechstachel.

e. Raubwespen. Zwischen Hüften und Schenkeln nur ein Glied,das erste Tarsenglied der Hinterbeine walzig und weder breit noch behaart.Man theilt die Raubwespen in: Ameisen und Wespen.

Zu den Wespen gehören: Wegwespe, Pompilus viaticus: Hor-nisse, Vespa crabro; gemeine Wespe, Vespa vulgaris etc.

Die Ameisen. Formicae.

Die Ameisen haben keinen eigentlichen Stachel, sondern an dessenStelle Drüsen, aus welchen sie eine saure Flüssigkeit entleeren können.Männchen und Weibchen sind geflügelt, die Geschlechtslosen ungeflügelt.

Lebensweise und Wohnorte. Die Ameisen leben in grossen Ge-sellschaften, entweder in hohlen Bäumen, unter Steinen, oder in aus Holz-stückchen, Rinden und Blattresten aufgeführten Wohnungen, den Ameisen-haufen. Es sind darin zusammen: geflügelte Weibchen und Männchen undungeflügelte Geschlechtslose. Diese letzteren sind Weibchen mit verküm-merten Geschlechtstheilen. Aus den Eiern jedes Weibchens kommen immerverhältnissmässig nur wenig fortpflanzungsfähige und überwiegend fort-pflanzungsunfähige geschlechtslose Thiere aus. Diese letzteren sind in sehrgrosser Anzahl vorhanden und die eigentlichen Arbeiter in dem Ameisen-staate. Sie geben das Bild der unermüdlichen Geschäftigkeit, führen dieWohnung auf und halten sie im Stande, füttern die Larven, tragen diePuppen an die Sonne etc. Bei uns im August schwärmen die Ameisen.Es erheben sich dann die geflügelten Männchen und Weibchen in die Luftund begatten sich dort, sie fallen dann paarweise aus der Höhe. DasMännchen stirbt bald darauf und das Weibchen legt seine Eier an Holz-stückchen, Blätter, unter die Erde. Hieraus wird in Zeit von 3—4 Wocheneine neue Colonie.

Es kommen zuerst die Geschlechtslosen aus, diese sorgen für dieErnährung der meist behaarten Larven. Aus den Larven werden die wei-chen, häutigen Puppen (fälschlich Ameiseneier genannt) und aus diesendie vollständigen Thiere. Die Nahrung der Ameisen besteht aus zucker-haltigen Pflanzen und Thiersäften. Weibchen und Geschlechtslose sonderneinen scharfen sauern Saft, der Ameisensäure als Hauptbestandteil ent-hält, ab.

Ameisen sind überall verbreitet, in warmen Gegenden zuweilen inungeheurer Anzahl. Am Rio Negro werden sie von den Eingebornen ge-gessen.

Braunrothe Ameise, Formica rufa. Die Schuppe des Hinterleibesist fast herzförmig, das Bruststück der Arbeiter braunroth, der Männchenschwarz, 4—5 Linien lang, sie ist überall in Wäldern Deutschlands ver-breitet. Sie erbauen sich 3 — 4 Fuss hohe'Wohnungen aus Tannennadeln,Rindenstücken etc., schleppen auch Harzstücke hinein und leben darin inerstaunlicher Anzahl. Gefangen werden die Geschlechtslosen, indem maneine Flasche bis an die Mündung in einen Ameisenhaufen vergräbt.

Verwendet werden die Ameisen zu Spiritus formicarum. Die