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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Die Knospe.

die auf der Erde weilen, der 1 j i Pfund Brod täglich geniesst, braucht eineausserordentlich grosse Anzahl von Roggen- oder Weizenpflanzen für seineErnährung. Die Büffelheerden, die früher zu Tausenden die Prairien Nord-West-Amerikas bevölkerten und von diesen ihre tägliche Nahrung nahmen,haben trotz ihrer grossen Anzahl nur ganz verschwindende, als schmalerFaden in die ungeheuere grüne Fläche der die Prairie zu Milliarden be-deckenden Gräser hinlaufende Gänge getreten und gefressen. Noch gross-artiger bieten die Urwälder Südamerikas und die Fucusbänke der Südseeeine Anschauung der Fülle und des Reichthumes der Entwickelung derPflanzenwelt.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich die nähere Ursache dieses Reich-thumes der pflanzlichen Entwickelung in den ausserordentlich günstigenBedingungen, welche für die Vermehrung der Pflanze vorhanden sind. DerMittelpunkt dieser Bedingungen liegt auch hier wieder in der eigenthüm-liehen, lebenskräftigen, schaffensreichen Organisation der Pflanzenzeile. Sieist der Ausgangspunkt alles pflanzlichen Lebens und in ihrer Kleinheit undder alle Vorstellung übertreffenden Anzahl die wunderbar organisirte Mitt-lerin aller pflanzlichen Vermehrung und Entwickelung.

Die Pflanzenzelle ist zu dem Zweck der Vermehrung und Fortpflan-zung der Pflanze zu verschieden gestalteten besonderen Organen und Pflan-zentheilen zusammengetreten, welche, indem sie dadurch als die äusserenTräger jenes grossen Zweckes erscheinen, von uns als Vermehrungs - undFortpflanzungsorgane bezeichnet werden. Solche sind die Knospe, dieBlüthe, die Frucht und der Same der Pflanzen.

Die Knospe, gemma.

Fig. 305. Die Knospe ist die Anlage zu einem

Stamme oder Aste. Sie ist mit Blattan-sätzen versehen und ohne vorherige Be-fruchtung entstanden. Sie steht entwederan der Spitze der Hauptaxe einer Pflanzeoder an der Spitze ihrer Nebenaxen; im-mer ist sie ein Endtheil; wo sie steht, endetdie Axe und beginnt ein neues Individuum.

Insofern sie ein neues Individuum an-fängt, ist sie dem Samen ähnlich, dochunterscheidet sie sich von dem Samen we-sentlich dadurch, dass sie ohne Befruch-tung entstanden ist und nicht wie derSame blos die Art, zu welcher die Mut-terpflanze gehört, sondern das einzelneIndividuum fortpflanzt.

Die echte Knospe, gemma vera.Die echte Knospe entwickelt sich nur amStamm. Sie ist ein werdendes Indivi-duum, sie enthält Wurzel, Stamm, Blätter,Blüthen und Früchte im Werden begriffen.Diese entspringen und bilden sich aus ihr,wenn die Knospe unter dem Einfluss derdazu erforderlichen wesentlichen Bedingun-gen gelangt.

Je nachdem die Knospe auf der Spitzeeines schon ausgebildeten Stengels, oder