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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Die Thätigkeit der Zellen.

nicht aber ohne dass auch noch andere Stoffe in den Bereich des Pflan-zenlebens hineingezogen würden, die unendliche Menge der in den Pflan-zen aufgefundenen weiteren Bestandteile. Diese sind ausserordentlichzahlreich. Der allgemeine Vorgang der Umbildung, jener ursprüngli-chen Bestandtheile der Pflanzenzellen ist entweder, und zwar hauptsäch-lich, ein Desoxydationsprozess, oder auch, und zwar untergeordnet, einOxydationsprocess. Der in dem Pflanzenwesen vorherrschende Bildungs-weg macht die ihm unterworfenen Stoffe sauerstoffärmer- doch gehen auchzuweilen die erstehenden Stoffe sauerstoffreicher aus der Wandelung her-vor, als dies ihre Bildungsquellen waren, so z. B. das Blattgrün, Chloro-phyll, welches aus Eiweisskörnchen entstanden ist. Die beiden erwähntenElementarvorgänge der Stoffurnbildung sind aber in ausserordentlich vielenAbstufungen thätig, so dass nur aus diesen die Fülle und Abwechselungder daraus hervorgehenden Verbindungen erklärlich wird.

Ausser der, innerhalb des eigentlichen Lebensprocesses der Pflanzevorgehenden Umwandlung, geht dann mit den daraus hervorgegangenenStoffen noch eine Wandlung vor, welche sie allmälig dem eigentlichenBereiche des Pflanzenlebens entzieht und sie überwiegend der chemischenStoffwechselwirkung anheim giebt. Dieser Uebergang der Stoffe aus demlebendigen Einflüsse des Pflanzenorganismus in den der chemischen Wech-selwirkung erfolgt sehr langsam aber stetig. Es ist wesentlich ein Oxy-dationsprocess, unter dessen Einflüsse die Pflanzentheile sauerstoffreicherwerden und allmälig in Kohlensäure und Wasser zerfallen, der also eigent-lich ein Verwesungsprocess ist. Aus den innerhalb des lebendigen Einflus-ses des Pflanzenorganismus hervorgegangenen Stoffen entstehen auf die-sem langsam vorschreitenden Vorgange wiederum eine unendliche Reihe vonVerbindungen, die, verschieden nach der Intensität des Vorganges selbst,und verschieden durch die von der einzelnen Pflanze gebotenen Stoffe, sichim Allgemeinen chemisch als: Basen, Säuren oder indifferenteStoffe charakterisiren. Die wichtigsten derselben haben wir bereits inder organischen Chemie kennen gelernt und ist es nur hier die Absichtan ihre Entstehung innerhalb des Pflanzenwesens zu erinnern.

Die Thätigkeit der Zellen in dem Lebensprozesse der

Pflanze,

Die Pflanzenzelle giebt durch die Eigenthümlichkeif ihrer Lebensthä-tigkeit im Kleinen ein Bild von der Lebensthätigkeit der Pflanze; denn diePflanze ist in ihrer Gesammtheit nur eine Anhäufung von Zellen, gewisser-massen ein Zellenstaat, in welchem jede einzelne Zelle ihre Pflichten zuerfüllen hat.

Die Pflanzenzellen dienen zur Aufnahme, Bereitung, Fortlei-tung und Aufbewahrung der Pflanzensäfte. Die Pflanzenzelle er-füllt diese Aufgabe durch ihre merkwürdige und eigenthümliche Organisa-tion. Wie erwähnt worden ist, haben die Pflanzenzellen keine Oeffnungen ;es sind geschlossene Schläuche, deren Wandungen aus sehr dünner Mem-bran bestehen und deren Inhalt der Pflanzensaft ist. Der Pflanzensaft istdie Hauptquelle der Entwickelung der Pflanze. Von der Verbreitung desPflanzensaftes, in welchem die Nahrungsstofle gelöst sind, hängt die Er-nährung der Pflanze ab. Diese Verbreitung des Pflanzensaftes vermitteltdie Pflanzenzelle, und zwar findet die Bewegung Statt von Zelle zu Zelle,durch eine eigenthümliche Thätigkeit der Zellenwandungen. Wenn manverschieden concentrirte Lösungen der Stoffe, die im Pflanzensafte vornan-