Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
790
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

790

Allgemeine Geognosie.

sucht. Der Körpergehalt der Erde beträgt 2,650,686,000 deutsche Kubik-meilen.

Meeres tiefe. Auch über den Antheil, welcher an dieser ungeheu-ren Masse feste Erdmasse und Wasser haben, hat man, entschieden. DieseEntscheidung ist indess sehr unsicher. Ein Hauptanhaltspunkt für die rich-tige Beurtheilung und Schätzung der die Erde umgebenden Wassermasse,d. h. unsere Kenntniss der Meerestiefen ist noch so unvollkommen, dass einedurchschnittliche Tiefenannahme der Meeresbecken kaum zulässig, noch weni-ger aber die daraus abgeleiteten Angaben des Kubikinhaltes der Wasser-masse richtig sein können. Die Tiefe der Meere ist eben so wenig gleichals die Höhe der Erhebungen der festen Erddecke. In der Regel sind diegrössten Meere auch die tiefsten. Von den europäischen Binnenmeeren istdas Mittelländische unweit Gibraltar das tiefste. Ganz unerforschthinsichtlich ihrer grössten Tiefe sind aber die Hauptwasserbecken. DieMittel zur Bestimmung der Meerestiefen sind für grosse Tiefen noch sehrunzureichend und erst in neuester Zeit so vervollkommnet worden, dassman richtige Messungsergebnisse erwarten darf. Das Senkblei oder Senk-loth (gewöhnlich hat man auf Schiffen 2 Lothe, das Handloth ist 610,das Tiefloth 30-16 Pfund schwer) ist wohl für geringe Tiefen 15002000Fuss ausreichend, für grössere nicht, es ist auch die Anwendung ausser-ordentlich zeitraubend und oft nicht ungefährlich. Kapitän Phipps bedurftez. B. um am Nordpol das Senkblei auf 4500 Fuss hinunter und wieder hin-auf zu bringen, der unausgesetzten 24stündigen Arbeit von 100 Menschen.Nach A. v. Humbold hat man im Ocean unter den Tropen in Tiefen von25000 Fuss noch keinen Grund gefunden. Im südatlantischen Ocean hatJames Ross 1843 die grösste Tiefe dieses Meeres 13,650 Fuss und KapitänDenham im südatlantischen Ocean erst bei 43,380 Fuss Grund gefunden.Theoretisch nimmt Mädler an, dass Meerestiefen von einer deutschen Meileselten vorkommen dürften , Laplace nimmt die grösste Meerestiefe auf 2 z / 2deutsche Meilen an. Wenn nun wie wohl nicht wahrscheinlich dieseTiefe wirklich stattfinden sollte, wie verschwindend erscheint trotzdem dieWassermasse au diesen Stellen gegen die Masse der Erde, indem ja, wennman sich auch die grösste Meerestiefe an den entgegengesetzten Stellen desErdballs, wo dieser den geringsten Durchmesser hat, denkt, immer noch1709 Meilen Erdmasse übrig bleiben.

Das Innere der Erde. Das Innere der Erdmasse ist uns gleich-falls noch wenig bekannt. Unsere Kenntniss reicht nur an einem einzigenPunkte der Erde bis zum 1 li 3000 Theile des Erdhalbmessers. Dieser tiefstePunkt, bis zu welchem Menschen in das Erdinnere gedrungen, sind die Koh-lengruben von Monk Wearmouth. Der tiefste Schacht dieser reicht 1513engl. Fuss unter die Oberfläche des Meeres. Aus was für Stoffen das Erd-innere besteht und in welcher Form dieselben existiren , das ist uns alsonoch verborgen. Alle darüber aufgestellten Hypothesen sind müssig. Wahr-scheinlich aber ist, dass auch der uns noch unbekannte innere Theil derErde aus denselben Substanzen besteht, aus welchen die uns bekannteErddecke zusammengesetzt ist, und eben so wahrscheinlich ist es, dass dernach Innen ausserordentlich zunehmenden Dichte der Erdsubstanzen durchdie gleichfalls nach Innen zunehmende Temperatur und die dadurch be-wirkte Expansion entgegen gewirkt wird.

Die Brdrinde. Unsere auf wirkliche Erfahrungen und Beobach-tungen gegründete Kenntniss der Erdmasse beschränkt sich daher eigent-lich nur auf die äusserste Rinde unseres Planeten. Und auch diese ist nuran den Culturstätten unseres Welttheiles in Deutschland, England und Frank-reich genügend sicher und umfassend bekannt, um dem geistigen Auge das