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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Weingeist.

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Zusammensetzung. Bier ist somit eine Weingeist- und Zucker-haltige Flüssigkeit, in welcher die fortgesetzte Umwandlung des gelöstenZuckers in "Weingeist und Kohlensäure noch vorsieh geht und von welcherletzteren mehr oder weniger darin gelöst bleibt. Der Weingeistgehalt derBiere ist geringer als jener der Weine. Englisches Ale ist das weingeist-reichste Bier. Es enthält in 100 Maass zuweilen 7 — 8 Maass, engl.Doppel-Porter 6, Bockbier 5, die starken belgischen Biere Lambeck, Faround die kräftigsten bayrischen Biere 3—4 Maass absoluten Alkohol. —

Weingeist.

Synon. Spiritus Vini.

Um reinen verdünnten Weingeist darzustellen, lässt man die Samender Getreidearten oder die Kartoffeln den Gährungsprocess durchmachen.Nur unterbricht man denselben nicht wie bei dem Biere, sondern lässt allesvorhandene Amylum in Dextrin und Zucker und diesen vollständig in Koh-lensäure und Weingeist zerfallen.

Darstellung. Kartoffeln, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Reis, dieReste des Zuckerrohrs, der Zuckersyrup, Palmsaft oder irgend einezuckerhaltige oder zuckerbildende Substanz wird der Gährung überlassen.In überwiegendem Maasse verwendet man hierzu die Kartoffel. Getreide wirdgeschroten, Kartoffeln gewaschen und zerrieben und in breiigem Zustandegemischt entweder mit einem Antheil Gerstenmalz oder Bierhefe bei einer Tem-peratur von 18—25° angestellt. Man nennt dies Einmaischen. Die Gährunggeschieht in grossen Gährbottigen. Ist sie ganz beendet, alles Stärkemehl inder Reihefolge in Gummi, Zucker und dann in Kohlensäure und Weingeistzerfallen, so kommt der Brei, der den ganzen gebildeten Weingeist ent-hält auf die Destillationsapparate. Diese sind gegenwärtig ausserordent-lich vollkommen eingerichtet. Der Brei wird durch Dampfröhren erwärmtund die sich verflüchtigenden Weingeistdämpfe durch sehr vollständige Kühl-vorrichtungen verdichtet.

Die übergegangene Flüssigkeit ist ein Gemisch von reinem oder ab-solutem Weingeist und Wasser. Ausserdem enthält sie immer nocheinen anderweitigen flüchtigen Bestandtheil, das Fuselöl. Es ist dieseben auch als ein Alkohol anzusehen, der sich auf noch nicht nachge-wiesene Weise bei allen Prozessen der Weingeistbildung bildet. Beider Weingeistbildung aus den Kartoffeln ist diese Bildung am gröss-ten. Man betrachtet das Fuselöl als Amyloxydhydrat, wie man denWeinalkohol als Aethyloxydhydrat ansieht. Fuselöl ist weniger flüchtigals Weingeist, Es geht daher erst bei dem Ende der Destillation über.Es tritt in Gestalt von öligen Tropfen in dem Nachlauf auf. Es hat ein spec.Gew. von 0,825, kocht bei 132° und hat einen sehr unangenehmen Geruch,bezeichnend mit Fusel ausgedrückt. Ein dem B'uselöl aus Kartoffel und Ge-treide ähnliches Product entwickelt sich bei der Gährung aus allen andernStoffen. Eine solche Verbindung giebt dem Rum und Arac, die aus denRückständen der Zuckerbereitung, aus Zuckerrohr erhalten werden, demCognac und dem Franzbranntwein, die aus Weinen und Weinrestern be-reitet werden, ihre verschiedenen Gerüche. Letztere sind ungleich ange-nehmer, als die des Kartoffel-Fuselöls.

Roher Weingeist enthält daher ausser Alkohol die zwei genanntenBestandtheile, das Wasser und das Fuselöl, von welchem er, behufs sei-ner Reinigung, getrennt werden muss. Wie der ganze Prozess der Dar-stellung des Weingeistes, so ist auch die Trennung des rohen Weingei-