Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
557
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Calomel.

55T

Darstellung. Die Darstellung des Quecksilberchlorür beruht dar-auf, dass 1 Aeq. Quecksilber und 1 Aeq. Quecksilberchlorid Quecksilberchlo-rür geben. 3 Gewicbtstheile Quecksilber und 4 Gewichtstheile Quecksil-berchlorid werden in einer Reibschale, befeuchtet mit etwas Weingeist, soinnig gemengt, dass keine Quecksilberkügelchen mehr zu erkennen sind.Dies Gemenge wird in gewöhnlich grüne Arzneigläser geschüttet, die mannur bis zum dritten Theile anfüllt, mit einem Kreidestöpsel verschlossenin ein Sandbad setzt und darin sublimirt. Das Feuer ist so zu reguliren,ilass die Kapelle und die Sublimirgefässe allmälig, dann aber zur Rothgluthder Kapelle erhitzt werden. Das Sublimat setzt sich an dem obern Theileder Gläser an. Es wird aus den zerschlagenen Gläsern herausgenommen,von Glas- und Quecksilberkügelchen sorgfältig gereinigt, auf das feinstezerrieben und anhaltend und so lange mit destillirtem Wasser gewaschen,bis alles Quecksilberchlorid daraus entfernt ist. Hierauf wird es getrocknetund vor dem Lieht geschützt, aufbewahrt.

Die Bereitung bietet gar keine Schwierigkeiten. Die Regelung desFeuers ist die Hauptsache. Die Gläser müssen nicht zu tief in dieSandschichte hineinreichen. Sind diese durch allmälige aber doch auchnicht zu langsame Feuerung gleichmässig durchwärmt, bemerkt maneinen Anflug an der W T and der Gefässe sich bilden, dann steigert manrasch die Temperatur und entfernt den Sand bis auf eine schmaleSchicht von dem Boden der Gefässe. Ist aller Inhalt der Gefässe subli-mirt, so erhält man trotzdem die Kapelle noch einige Zeit in derselbenTemperatur, lüftet von Zeit zu Zeit die Kreidestöpsel und nimmt, wenn dergrauliche Anflug von regulinischem Quecksilber verschwunden ist, die Ge-fässe noch heiss heraus, überdeckt sie so, insbesondere den Theil derselben,wo das Sublimat sich angesetzt hat, mit einem nassen Tuche und entferntdann behutsam die Glassplitter. Man erhält das Sublimat immer in einemmassiven, der Form der obern Wandung der Gläser entsprechenden Stücke.Die Treunnng des noch etwa eingemengten Quecksilberchlorids hat keinerleiSchwierigkeiten. Wasser, Alkohol, Aether lösen, während sie keinen Einflussauf Quecksilberchlorür haben, Quecksilberchlorid leicht auf. Die Trennungbeider erreicht man vollständig durch Waschen mit W T asser. Auf nassemV\ ege kann man Quecksilberchlorür durch Zersetzung und Fällung einerQuecksilberoxydulsalzlösung vermittelst Chlornatrium darstellen. Es bildetsich schwefelsaures Natron und Quecksilberchlorür fällt zu Boden.

Eigenschaften. Quecksilberchlorür, wenn es durch Sublimationgewonnen worden ist, stellt eine weisse durchsichtige strahlige krystallini-sche Masse dar. Zerrieben oder auf nassem Wege dargestellt bildet esein weisses oder gelblich weisses, schweres, in Wasser unlösliches Pulver.Das specifische Gew. 7,1. Am Licht wird es zersetzt, indem sich nachund nach metallisches Quecksilber ausscheidet. In hoher Temperatur ver-flüchtigt sich Quecksilberchlorür ohne zu schmelzen. Verdünnte Säurengreifen es nicht an, concentrirte Säuren lösen es in der Hitze auf. Salpeter-säure bildet daraus Quecksilberchlorid und salpetersaures Q,uecksilberoxyd,Schwefelsäure bildet damit Quecksilberchlorid und schwefelsaures Quechsilber-oxyd, Chlorwasserstoffsäure und Königswasser bilden damit Quecksilberchlorid.Verunreinigungen kann das sublimirte Quecksilberchlorür ausserQuecksilberchlorid nicht enthalten, es sei denn, sie seien absichtlich zuge-setzt worden. Quecksilberchlorid wird sehr leicht dadurch erkannt, dassaus dem fraglichen Quechsilberchlorür von Wasser, Alkohol und Aether,Queksilberchlorid aufgelöst wird und in der abfiltrirten Lösung durchSchwefelwasserstoff erkannt werden kann, indem sich in solchem Falleschwarzes Quecksilbersulphid daraus niederschlägt.