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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Der praktische Apothekenbetrieb.

bestehend Pastillen ist im hohen Grade nothwendig, wenn man sie vollkom-men weiss erhalten will. Nicht blos der Zucker nnd der aus dem reinstenTraganth bereitete Schleim muss ohne Färbung, sondern auch die Uten-silien, Mörser, Rollbrett, Rolle, Form müssen sauber und rein sein undkönnen, um die Adhäsion zu vermeiden, mit Zuckerpulver bestreut werden.

Die Formirung der Masse geschieht entweder auf einer Marmorplatte und der Besitz einer solchen ist eine grosse Erleichterung oder auchauf einem glatt gehobelten Brette. Als Mittel den Teig in eine ebene Flächezu bringen, bedient man sich einer gewöhnlichen Nudelteigrolle. Ganz derHandhabung des Nudelteiges gleich ist auch die Operation des Ausrollensdes Teiges. Etwas Zuckerpulver verhindert das Anbacken an Rolle undBrett. Die Ebenmässigkeit und auch die Dicke des Teiges regulirt mandurch zwei dünne, schmale, ganz gleich starke Brettchen (Form-Brettchen),die man zu beiden Seiten des Teiges legt und diesen so lange rollt bis ergenau die Dicke des Brettchen erhalten. Durch genaue Beobachtung undVergleichung des Gewichtes der aus dem Teige gestochenen Pastillen mitder Dicke der Form-Brettchen ist man im Stande aus der gegebenen MasseTeig eine bestimmte Menge Pastillen zu formiren. Gewöhnlich werden diePastillen in grossen Mengen gemacht und hier werden die Residuen vondem Ausstechen immer wieder zu der übrigen Masse verarbeitet. Verord-net indess der Arzt eine bestimmte Menge Pastillen aus einer bestimmtenMenge von Arzneistoffen, z. B. aus Chinin, Coffein, Ipecacuanha etc. zufertigen, so ist es erforderlich die zu fertigenden Pastillen nach der erforder-lichen Anzahl zu begrenzen. Hierzu nun hat man nöthig zu wissen, wie schwerman den gesammten Teig zu fertigen hat. Ferner muss jede einzelne Pa-stille ein genaues damit übereinstimmendes Gewicht haben. Dies erreichtman dadurch, dass man mehrere Form - Brettchen von verschiedener Dickevorräthig hat. Man pflegt die gleichen mit Nummer 1. 2. 3 etc. zu be-zeichnen. Gewöhnlich bedient man sich nur einer Form zum Ausstechendes Teiges. Durch Vergleichung hat man gefunden, wie schwer eine mitder Form ausgestochene Pastille ist, wenn der Teig zwischen den mit 1mit 2 mit 3 etc. bezeichneten Formbrettchen gerollt worden ist. Hat mandaher einen Teig von bestimmten Gewicht und soll daraus eine bestimmteMenge Pastillen geformt werden, so wählt man für das Ausrollen des Tei-ges jene Formbrettchen, von denen man weiss, dass die ausgestochenenPastillen dann das erforderliche Gewicht haben und damit auch die erfor-derliche Anzahl erreichen werden. Es sind bei der Anfertigung der Pastilleneinige Hülfsmittel erforderlich, die man nur durch Uebung lernt. Die Stärkedes Teiges, die Menge des Schleimes, der Zuckerzusätze, das Alles musspraktisch geübt werden. Gewöhnlich besteht der Fehler darin, dass manzuviel Schleim zusetzt und dass die Pastillen in Folge dessen schlecht trock-nen, durch die Schwierigkeiten des Anfassens ihre schöne gleiehmässigeForm, und durch das Herumliegen ihre Weisse einbüssen. Die Ver-meidung lehrt nur Uebung. Zur Anfertigung der vielfach in Anwendungkommenden Magnesia-Pastillen muss die Magnesia besonders vorberei-tet werden. Die gebrannte Magnesia muss mit Wasser angerührt, vielfach aus-gewaschen, getrocknet und nochmals geglüht, darauf durch ein ganz feinesSieb geschlagen werden. Sie hat dann ein viel grösseres spec. Gewichtund lässt sich nur in dieser Art in dem verlangten Gewichte in die Formenbringen, die nicht grösser sind als die gewöhnlichen Pastillen.

Zum Ausstechen der Pastillen aus dem ebenen, dünn gerollten Teigebedient man sich gewöhnlich hohler, conisch nach oben erweiterter Cylin-der aus Weissblech. Ihre Rundung am Grunde hat meistens einen Durch-messer von 9 Linien. An dem der Hand zugekehrten Theile' sind sie ent-