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Der praktische Apothekenbetrieb.
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Glühöfen. Für einzelne chemische Präparate hat man eine sehr hoheTemperatur nöthig. Es müssen entweder Metalle oder andere schwer schmelz-bare Körper geschmolzen oder Verbindungen zerstört oder gebildet werden,welches zuweilen nur bei Roth- oder Weissglühhitze erreicht wird. Roth-und Weissgluth sind gewisse in der Technik angenommene Bezeichnun-gen für Temperaturgrade. Alle Körper, welche in höherer Temperaturnicht zerfallen, werden, indem sie dieser ausgesetzt bleiben, glühend, d. h.sie beginnen zu leuchten. Die Farbe des glühenden Körpers wird zuerstdunkel, dann heller roth und die Bezeichnungen rothglühend gelten daherfür die unteren Temperaturgrade. Allmälig wird die Farbe des glühendenKörpers heller und ist in den höchsten Temperaturgraden, wie man sievor dem Knallgebläse, durch Elektrizität oder Gebläsefeuer in dem Hoch-ofen erzielt intensiv weiss. Weissgluth ist die Bezeichnung für die höchstenTemperat urgrade.
In der pharmaceutischen Technik wird die Erzeugung der Rothgluthöfters, die der Weissgluth nur in seltenen Fällen nöthig. Sind die Mengen,mit denen man arbeitet nur gering, reicht die Menge der Präparate, welchezu schmelzen oder zu glühen ist nicht über die eines Pfundes hinaus undist die erforderliche Temperatur nicht zu hoch, so genügt in solchem Falleder tragbare Windofen als Glühofen. Man pflegt dann demselben einensogenannten Dom Fig. 10 aufzusetzen.
Eine solche Glühoparation im Windofen ist indess eine kostspieligeArbeit. Holzkohlen verglühen sehr rasch, man hat nöthig fortwährendnachzulegen und wenn die Operation nur einigermassen länger dauert,oder die Menge der zu glühenden Substanz bedeutend ist, so nehmen die Ko-sten für die dabei verbrannten Holzkohlen einen viel grösseren Betrag fürsich in Anspruch, als ihn das in Arbeit stehende Präparat verträgt. Woman daher grössere Glühoperationen vornimmt, da benützt man besonderseingerichtete Glühofen, deren Hauptzweck darin besteht, dass man mitgeringeren Kosten rasch eine sehr hohe Temperatur hervorbringen kann.Die Hauptmittel hierzu bestehen in der Erzeugung eines mögliehst raschenLuftsromes und in der Verwendung eines Feuerungsmateriales, welches einestärkere Hitze gibt. Die erste Bedingung wird erfüllt durch einen gutziehenden Schornstein oder durch ein Gebläse. Als Feuerungsmaterialzu Glühoperationen verwendet man Steinkohlen oder Coaks. Coaks sindSteinkohlen, denen durch trockne Destillation in den Coaks-Oefen diedarin enthaltenen flüchtigen Kohlenwasserstoffe und der Schwefel entzogenworden ist. Coaks enthalten nur Kohle und die fixen mineralischen Bestand-theile der Steinkohlen. Sie bedürfen zur Oxydation der mit festen äusserstschwer schmelzbaren unorganischen Stoffen umgebenen Kohle einer sehr hohenTemperatur und eines sehr starken Luftstromes. Wo dieser letztere erzeugtwerden kann, geben sie die stärkste Hitze. Diese Hitze concentrirt sichunmittelbar in der Umgebung der Coaks. Dadurch sind die Coaks zu denGlühoperationen das vorzüglichste Brennmaterial zumal sie dort, wo siezu haben sind, in Verbindung mit den guten Diensten, die sie leisten, auchdas billigste Brennmaterial sind.
Die Glühöfen, deren man sich in pharmaceutischen Laboratorien be-dient, sind gewöhnliche Heerdöfen, selten Flammenöfen, obwohl diese letz-tern bei richtiger Construetion offenbar den Vorzug verdienen.