Handverkauf. Nomenclatur.
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eigentlichen ärztlichen Standes, wurden bei allen alten Völkern die Krankenan öffentlichen Orten ausgestellt. Jeder Vorübergehende gab seinen Rath.Die Kenntniss der Arzneimittel, deren Wirkungen und Name war Gemein-gut. So blieb es nicht, als diese Kenntnisse gesammelt und in ein Systemgebracht auf einen besonderen Stand übergingen, der deraus seinen Erwerbzog. Es trennte sich fortan Arznei Wissenschaft und Volksarznei, wissenschaft-liche und Volksarzneinamen. Diese Trennung war anfangs weder für dieArzneikenntniss noch die Gestaltung der Arzneinamen günstig. Die Schü-ler des Hippokrates, und die Aerzte überhaupt über ein Jahrtausend nachihm, waren nicht viel besser denn Gaukler und Charlantane. HippokratischeBeobachtung und Erfahrung wurde missachtet, geflissentlich sogar verhöhnt.An Stelle des Gebrauches richtig gewählter Arzneinamen bevorzugte manabsichtlich oder unter der Herrschaft sophistischer Spitzfindigkeit, odercrasser Unwissenheit und Aberglaubens andere Namen. Ueberall leitetedabei den Arzt die Absicht: durch den Namen die Zusammensetzung oderdas Herkommen des Arzneimittels zu verdecken. Es ist kaum zu glauben,welche Unmasse der widersinnigsten Arzneimittel damals in Gebrauch ge-zogen wurden und wie noch widersinniger und corrupter deren Namenwaren. Ganz unentwirrbar sind die Bezeichnungen der damaligen Nomen-clatur.
Günstiger gestaltete sich dieser Theil der Arzneiwissenschaft als nachden ersten Medizinalverordnungen Kaiser Friedrieh 11. dem Apotheker dieMittlerschaft zwischen der Verordnung des Arztes und dem Publikum zukam.Zwar waren die gewerblichen Motive des Apothekers bei dem Betriebe seinerApotheke der Wahl bezeichnender offenkundiger Namen auch nicht günstig;auch der Apotheker suchte die Zusammensetzung der Arzneimittel durch dieNamen eher zu verdecken als deutlich zu bezeichnen; aber die getheiltenInteressen der Aerzte und Apotheker Hessen dies nicht von Dauer sein.Eine der ersten Bedingungen der im 16. Jahrhundert beginnenden Apothe-kenrevisionen war: dass der Apotheker die von ihm angefertigten, zurAbgabe bereit gehaltenen Arzneimittel mit deutlichen Namen bezeichne.Durch das Erscheinen der Pariser, Augsburger und Wiener Dispensatorienwaren auch die Anhaltspunkte dafür gegeben. Von da an hörte allmälig dieWillkür der Bezeichnungsweise der Arzneimittel auf, und durch die Ver-breitung gedruckter Dispensatorien kam allmälig Uebereinstimmung in dieBezeichnung der Arzneimittel. Es machten sich bei der Wahl und der An-nahme von Arzneinamen allgemeine Grundsätze geltend und diejenigenNamen, welche entweder diesen Grundsätzen, worunter die Absicht dieArzneimittel deutlich zu bezeichnen, oben anstand, entsprachen, oder ob-wohl falsch gewählt, doch eine nicht mehr zu ändernde historische Berech-tigung erhalten hatten, wurden von allen nach und nach entstehendenPharmacopöen aufgenommen. Gegenwärtig ist die wissenschaftliche phar-maceutische Nomenclatur. mit geringen Abänderungen in ganz Deutschlanddieselbe. Die in jeder einzelnen Pharmacopöe aufgenommene ist die ge-setzlich gültige für die Apotheken des besonderen Staates.
In allen Pharmacopöen Deutschlands ist, wenn gleich in den Pharma-copöen Bayerns und Württembergs der Text deutsch ist, für die Arzneimit-telnamen die lafeinische Sprache gewählt. In dieser sind in allen Apothe-ken die Arzneibehältnisse überschrieben. Für die Reihenfolge, in welcherdie grosse Menge der Arzneimittel in den Apotheken aufzustellen waren,bot sich von selbst als die nächstliegende und zweckentsprechendste dieAnordnung der Arzneimittel nach dem Alphabet.
Wer sich daher in der pharmaceutischen Nomenclatur bald heimischmachen und lernen will, sich rasch in der Aufstellung der Arzneimittel zu-