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1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
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Siliciumwasserstoff.

Das kristallisierte Silicium bildet schwarze, glänzende Oktaederoder sechsseitige, graphitartige Blättchen vom spezif. Gew. 2,49. Dasselbeist sehr spröde und von beträchtlicher Härte. An der Luft oder im Sauer-stoff geglüht, erleidet das kristallisierte Silicium keine Veränderung. VonSäuren wird es nur durch ein Gemisch aus Flußsäure und Salpetersäure an-gegriffen; heiße, konzentrierte Kali- oder Natronlauge löst es dagegen unterWasserstoffentwickelung auf. Im Chlorstrome erhitzt, verbrennt es zuChlorsilicium.

Verbindungen des Siliciums.

Siliciumwasserstoff: SiH 4 . Farbloses, im reinen Zustande nichtselbstentzündliches Gas, welches sich bei 1° C und 100 Atmosphären Druckzu einer Flüssigkeit verdichtet. Mit Wasserstoff verdünnt oder gelinde er-wärmt, verbrennt der Siliciumwasserstoff zu Kieselsäureanhydrid und Wasser.Mit Wasserstoff gemengt, wird das Gas durch Übergießen von Silicium-magnesium (darstellbar durch Zusammenschmelzen von 1 Tl. Quarzsand mit1,5 Tln. Magnesiumpulver) mit konzentrierter Salzsäure erhalten (Wöhler,Buff).

Chlorsilicium: SiCl 4 farblose, bei 59° siedende Flüssigkeit vomspezif. Gew. 1,52 bei 0°; Bromsilicium: SiBr 4 farblose, bei 154° sie-dende, bei13° erstarrende Flüssigkeit vom spezif. Gew. 2,81 bei 0°;Jodsilicium: SiJ 4 , farblose Oktaeder, welche bei 120° schmelzen und bei290° sieden, werden gebildet durch mäßiges Erhitzen von amorphem, ausQuarzsand bereitetem Silicium in dem Dampfe der betreffenden Halogene(in einem mit Vorlage versehenen Verbrennungsrohre). Die ersteren beidenVerbindungen lassen sich auch darstellen durch Glühen eines innigen Ge-misches aus fein verteilter Kieselsäure und Kohle im Chlor- oder Brom-strome.

Von Verbindungen des Siliciums mit Chlor, Brom und Jod sind fernerdargestellt: SiCl 3 Br: Siliciumchlorobromid (Siedepunkt 80° C); SiBr 3 J:Siliciumbromojodid (Siedepunkt 200° C); Si 2 Cl": Siliciumhexachlorid(Siedepunkt 146° C); Si 2 Br 6 : Siliciumhexabromid (farblose Tafeln); Si 2 J 6 :Siliciumhexajodid (farblose Tafeln); SiHCl 3 : Siliciumchloroform(Siedepunkt 36° C); SiHJ 3 : Sili ciumjodof orm (farblose, bei 220° C sie-dende Flüssigkeit); Si ! OCl 6 : Siliciumoxy chlorid (Siedepunkt 137° C).

Fluorsilicium: SiF 4 . Diese, von Scheele entdeckte Verbindung wirderhalten durch Erhitzen eines Gemenges aus gleichen Teilen Quarzsand(Kieselsäureanhydrid) und Flußspat: CaF 2 , mit überschüssiger, konzentrierterSchwefelsäure:

2 CaF 2 -f SiO 2 + 2H 2 S0 4 = SiF' -+- 2H 2 0 + 2CaS0 4 .Farbloses, an der Luft rauchendes, stechend riechendes Gas, welches durchhohen Druck und niedere Temperatur zu einer Flüssigkeit kondensiert werdenkann. Bei 102° C verwandelt es sich in eine feste, amorphe Masse.

Kieselfluorwasserstoffsäure oder Silicofluorwasserstoff:H 2 SiF 6 = SiF 4 -\- 2HF. Acidum silicofluoraium, Acidum hydrosilicofluoratum.

Leitet man Fluorsilicium, welches am geeignetsten in einem irdenen, ineinem Sandbade stehenden Mineralwasserkruge, in den mittels eines Stopfensein zweimal rechtwinkelig gebogenes Glasrohr eingesetzt ist, in obiger Weisedargestellt wird, in Wasser, so scheidet sich gallertartige Kieselsäure: H 2 Si0 3 ,ab und Kieselfluorwasserstoff geht in Lösung:

3SiF 4 -f 3H ! 0 = 2H 2 SiF 6 -f- H 2 Si0 3 .