mmm
Selen.
227
haltende Lösung ist zunächst durch Eindampfen möglichst von Salpetersäurezu hefreien und hierauf die Selensäure durch Kochen mit konzentrierterSalzsäure in selenige Säure: H 2 Se0 3 , überzuführen, wobei reichliche Mengenvon Chlor entweichen. Aus der filtrierten, nicht zu verdünnten Lösungwird das Selen durch Einleiten von Schwefligsäureanhydrid bei gelinderWärme gefällt und der Niederschlag nach dem Absetzen , Auswaschen undTrocknen durch Destillation gereinigt:
U 2 SeO' -f 2HC1 = 2C1 + H 2 0 + H'SeO 3 ,H 2 Se0 3 -f 2SO' 2 + H 2 0 = Se + 2H 2 S0 4 .
Aus dem ausgewaschenen Selenschlamm läßt sich das Selen auch durchDigerieren mit konzentrierter Cyankaliumlösung extrahieren; es bildet sichhierbei Selencyankalium: KCNSe, welches nach dem Filtrieren durch Salz-säure, bei mäßiger Wärme, zerlegt werden kann. Auch eine konzentrierteLösung von neutralem Kaliumsulfit löst in der Wärme das Selen in reich-licher Menge zu selenunterschwefligsaurem Kalium: K 2 SSe0 3 , aus welchemdurch Salzsäure der gesamte Selengehalt abgeschieden wird.
Eigenschaften. Das Selen ist in mehreren allotropen Modifikationenbekannt:
1. amorph, in Schwefelkohlenstoff löslich, erhalten durchrasches Abkühlen des geschmolzenen Selens. Spröde, schwarze Masse vonmuscheligem Bruch und 4,28 spezif. Gew. Ein in Schwefelkohlenstoffebenfalls lösliches, amorphes Selen vom spezif. Gew. 4,26 erhält man alsroten Niederschlag durch Einleiten von Schwefligsäureanhydrid in eine kalteLösung von seleniger Säure; vermischt man verdünnte, kalte wässerigeLösungen von seleniger und schwefliger Säure, und zwar so, daß auf 1 Mol.SeO 2 genau 2 Mol. SO 2 kommen, so färbt sich die Mischung allmählichblutrot, ohne daß sich Selen ausscheidet: kolloidales Selen. Auch Hy-drazin und Hydroxylamin erzeugen aus seleniger Säure in alkalischer Lösungkolloidales Selen. Ein Zusatz von Säuren oder Salzen bewirkt alsdann eineAbscheidung von rotem, amorphem Selen ;
2. in Schwefelkohlenstoff lösliches, kristallinisches Selen,erhalten durch Lösen des amorphen Selens in Schwefelkohlenstoff und Ver-dunsten der Lösung. Dunkelrote, durchscheinende (nach Muthmann inzwei Modifikationen auftretende) Kristalle von 4,5 spezif. Gew., welche iso-morph sind mit den durch Schmelzen erhaltenen, monoklinen Prismen desSchwefels;
3. in Schwefelkohlenstoff unlösliches, körnig kristallini-sches, graues Selen, erhalten durch längeres Erwärmen von amorphemoder von löslichem, kristallinischem Selen auf 100°, wobei die Temperaturplötzlich auf 200° C und darüber steigt, oder durch schnelles Abkühlen vongeschmolzenem Selen auf 210° und längeres Verweilen bei dieser Temperatur.Bleigraue, kristallinische Masse von 4,8 spezif. Gew. Diese Selenmodifikation„metallisches Selen" leitet, zum Unterschied von den beiden anderen,die Elektrizität, besonders im Sonnenlicht; Anwendung zur Darstellung vonBadiophonen.
Die erste und zweite Modifikation des Selens gehen bei 90 bis 100° indie dritte, die zweite und dritte durch rasches Abkühlen in die erste über.
Das kristallinische Selen schmilzt bei 217° und verwandelt sich bei 665°in einen rötlichen Dampf. Spezifisches Gewicht des Dampfes bei 1420°= 5,68(Luft = 1), 78,6 (H = 1); bei 860° = 7,67, bei 1040° = 6,37 (Luft = l).Das Selen zeigt somit, ähnlich dem Schwefel, bei niederen Temperatureneine anomale Dampfdichte.
15*
J