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1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
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Selen.

Tetrathionsaure: H 2 S 4 0 6 . In Lösung und in Salzen bekannt. DieNatriumverbindung: Na 2 S 4 0 6 , entsteht durch Eintragen von Jod in Natrium -thiosulfatlösung bis zur bleibenden Gelbfärbung (Fordos, Gelis):2Na s S 2 0 :i -f 2J = Na 2 S 4 0 6 + 2NaJ.

Aus dem Baryumsalz läßt sich durch Schwefelsäure die freie Säureabscheiden ; dieselbe zerfällt jedoch leicht in Schwefel, Schwefelsäure undSchwefligsäureanhydrid:

H 8 S"0 6 = 2S + H 2 S0 4 + SO 2 .

Pentathionsäure: H 2 S 5 0 6 . In Lösung und in Salzen bekannt. DieSäure entsteht beim Einleiten von Schwefelwasserstoff in eine bei 0° ge-sättigte Lösung von Schwefligsäureanhydrid (Wackenroder) :

5H 2 S -f 5S0 2 = H 2 S 5 0 6 + 5S -f 4H»0.Die Lösung der Pentathionsäure soll sich im Vakuum bis zum spezif. Gew.1,60 konzentrieren lassen. Sie ist geruchlos und schmeckt bittersauer. Mer-curonitratlösung erzeugt in der Lösung der Pentathionate zunächst einengelben, auf weiteren Zusatz weiß werdenden Niederschlag. Silbernitrat lieferteinen gelben, bald schwarz werdenden Niederschlag; in ammoniakalischerLösung tritt zunächst eine Braunfärbung, alsbald jedoch eine Abscheidungvon Silbersulfid ein (Unterschied von Tetrathionsäure, die auf diese "Weisenicht gefällt wird). Beim Erwärmen ihrer Lösung zerfällt die Pentathion-säure in Schwefel, Schwefelwasserstoff, Schwefelsäure und Schwefligsäure-anhydrid.

Die monothionige Säure, die unterschweflige Säure und diesämtlichen Polythionsäuren fungieren in ihren Salzen, von denen jedoclinur neutrale bekannt sind, als zweibasische Säuren. Ob Thiosäuren mitmehr als 5 At. Schwefel existieren, ist bisher nicht sicher bekannt.

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Selen, Se.

Atomgewicht 79,2. Molekulargewicht 158,4 (78,6 H = 1). Zwei-, vier- und

sechswertig.

Vorkommen. Das Selen wurde im Jahre 1817 von Berzelius (1779bis 1848) in dem Bodensatz der Bleikammern der Gripsholmer Schwefel-säurefabrik entdeckt. Obschon es in der Natur sehr verbreitet vorkommt,findet es sich doch stets nur in kleiner Menge, und zwar meist in Begleitungvon Schwefel. Das Selen kommt gediegen vor im Biolit von Oulebras inMexiko, sowie in dem Schwefel der Liparischen Inseln. Kleine Mengen vonSelen kommen in vielen Kiesen und Blenden, sowie in einigen Mineralien inVerbindung mit Blei, Kupfer, Silber, Quecksilber und Wismut vor. Claus-thalit: PbSe, Selenkupfer: Cu 2 Se, Selenkupferblei: Cu 2 Se + PbS :Selensilber: Ag 2 Se, Eukairit: Cu 2 Se -\- Ag s Se, Selenquecksilber.HgSe, Onofrit: HgSe -\- 4HgS, Selenwismutglanz usw. SelenigeSäure: H 2 Se0 3 , selenigsaures Blei, -Kupfer und -Kobalt sollen bei Mendozain Argentinien, selensaures Blei (Kerstenit) bei Eisfeld in Thüringen vor-kommen.

Darstellung. Am geeignetsten wird das Selen aus dem Selenschlamra(Absatz in den Bleikammern mancher Schwefelsäurefabriken) oder aus demElugstaube (Absatz in den Böstgaskanälen jener Fabriken, welche selenhaltigeKiese verarbeiten) erhalten. Derartiges Material wird mit gleich viel "Wasserund Schwefelsäure zu einem dünnen Brei angerührt, zum Kochen erwärmtund von Zeit zu Zeit mit etwas Salpetersäure oder Kaliumchlorat versetzt,bis die rote Farbe verschwunden ist. Die jetzt Selensäure: H 2 Se0 4 , ent-