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1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
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Q Atomistische Hypothese.

Über die Natur der zwischen den einzelnen Molekülen eines Stoffesbefindlichen Zwischenräume befinden wir uns bisher im unklaren; wirbewegen uns auch hier nur auf dem Gebiete der Hypothese. Soviel scheint jedoch mit einiger Sicherheit anzunehmen zu sein, daßdie Molekularzwischenräume nicht absolut, d.h. im Sinne des Vakuums,leer sind, ebensowenig wie sie mit einer wägbaren Materie angefülltsein können. Man hat diese, für unsere Sinne nicht wahrnehmbare,unwägbare Substanz, welche die einzelnen Moleküle gleichsam wie eineAtmosphäre einhüllt, mit dem Welt- oder Lichtäther identifiziert, sieauch als Kraft- oder Wärmesphären bezeichnet, ohne jedoch hierdurchüber die Unsicherheit, welche über die Natur und die Verhältnissedieser Substanz herrscht, hinauszukommen.

Mit der Annahme der Moleküle ist indessen die Hypothese, welcheman über die Natur der Materie aufgestellt hat, nicht abgeschlossen,da die Moleküle noch einer weiteren Zerlegung fähig sind. Schon ausder Natur der sogenannten zusammengesetzten Stoffe geht hervor, daßin den Molekülen derselben noch weitere Bestandteile enthalten seinmüssen.

Zerlegt man z. B. ein Eis]3artikelchen auf mechanische Weise inimmer kleinere und kleinere Teilchen, ja setzt man diese Teilung,nachdem das Eis verflüssigt und in Dampfform übergeführt ist, so weitfort, bis man an der Grenze derselben, bei jenen physikalisch nichtmehr teilbaren kleinsten Teilchen, den Mplekülen, anlangt, so sindletztere doch immer noch als Massenteilchen des unveränderten Wasserszu betrachten. Wir haben aber bereits gesehen, daß das Wasser aufchemischem Wege noch weiter zerlegt werden kann, indem wir denWasserstoff und den Sauerstoff als dessen nähere Bestandteile kennenlernten. Es muß somit auch jenes physikalisch nicht mehr teil-bare Teilchen, das Wassermolekül, noch einer weiteren chemischenZerlegung, und zwar in Wasserstoff und Sauerstoff, fähig sein. Dieseweiteren Bestandteile der Moleküle, also jene kleinsten Teilchen, welcheman nicht mehr durch physikalische Teilung, sondern nur durchchemische Aktion erschließen kann, bezeichnet man als Atome.Man versteht daher unter einem Atom die kleinste, wederchemisch noch physikalisch mehr teilbare Menge eines ein-fachen Stoffes Elementes, welche in einem Molekül ent-halten ist, bezüglich welche in das Molekül einer chemischenVerbindung einzutreten vermag 1 ), wogegen man als Moleküldas kleinste, physikalisch nicht mehr teilbare Teilcheneines Stoffes gleichgültig, ob es sich dabei um einen einfachenoder einen zusammengesetzten Stoff, ein Element oder eine chemischeVerbindung handelt bezeichnet, welches im freien Zustande

l ) Ob die Atome wiriich die kleinsten Teilchen der Elemente sind, oder obpich dieselben noch weiter aus Komplexen von Teilchen höherer Ordnung zusammen-setzen, mag dahingestellt bleiben.