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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
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§ 46§. Der Wein kann sowohl als Heilmittel, als auch alsNahrungsmittel Gegenstand chemischer Untersuchung werden, undzwar kann eine solche Untersuchung zur Absicht haben, 1) die quan-titative Ermittelung der wesentlichen Bestandteile eines Weins, umaus den erhaltenen Resultaten möglicherweise einen Schluss auf des-sen Anwendbarkeit und Nichtanwendbarkeit als Heil- oder Stärkungs-mittel für gewisse Leidende ziehen zu können; 2) die Erforschung,ob ein Wein in irgend einer betrügerischen oder verbrecherischenAbsicht mit fremden, die Gesundheit gefährdenden StolFen versetztist. Man wird zu diesem doppelten Zwecke am besten folgender-maassen verfahren:

A. Quantitative Prüfung- des Weins.

a. Bestimmung des Alfeohol's. Man wägt von dem zu prü-fenden Weine genau acht Unzen ab, bestimmt bei 16° C. mittelsteines guten Areometer's dessen specifisches Gewicht genau, lässt hier-auf in einer Porcelianschaale bis auf die Hälfte verdunsten, ersetztendlich die verdunstete Flüssigkeit mit so viel reinem Wasser, undvon einer genau abgewogeneu Menge eines Weingeistes von 0,920spec. Gew. bei -f~ 16° C. als erforderlich, um das Gemisch auf dasursprüngliche absolute und specifische Gewicht zurückzuführen. Alanbestimmt hierauf genau die verbrauchte Menge von dem Weingeiste,bringt die Hälfte davon als diejenige Menge wasserfreien Weingeistesin Rechnung, welche in acht Unzen von dem Wein enthalten war,und findet nun durch eine einfache Rechnung leicht den Weingeist-gehalt des untersuchten Weins in Gewichtsprocenten. *)

b. Bestimmung der festen Bestandtheile. Die rückstän-dige Flüssigkeit nach Entfernung des Alkohols wird in ein genautarirtes Becherglas gegossen, in einer eisernen Schaale mit Sandumgeben, die das 'Sandbad enthaltende eiserne Schaale aber selbstin einem bis -+- 110° C. erhitzten Chlorcalciumbade gestellt, darinso weit verdunstet, als noch eine Gewichtsabnahme bemerkt wird,und hierauf das Gewicht des Rückstandes bestimmt.

Dieser Rückstand wird mit alkoholisirtem Weingeiste übergössen,bis nahe zum Sieden erwärmt, das Glas dann mit feuchter Blase ge-

*) Diese Uiitersuchungsinethodc, welche mit grosser Genauigkeit denWeingeistgehalt des Weins kennen lehrt, ist ohne Vorbereitung für koklen-säurehaltige weinige Flüssigheiten nicht anwendbar, z. B. für moussircndeWeine und Biere; sondern es muss in solchem Falle die Kohlensäure vorerstentfernt werden. Man bringt zu diesem Behufe durch den Tubus b 4 Unzenvon der zu prüfenden Flüssigheit in die Flasche A (Fig. 1), worin sich be-reits 4 bis 5 Pfund Quecksilber befinden, und in deren weiter Mündung dieGasmcssröhrc H luftdicht eingeschraubt ist; man saugt mit dem Munde durchden Hahn a das Quecksilber bis zur Höhe von ungefähr 6 KZoll auf, ver-schliesst hierauf den Hahn, setzt die Flasche in ein Cblorcalciumbad, erhitztnach und nach bis 80° C. und erhält es dabei einige Minuten hindurch.Man nimmt die Flasche aus dem Chlorcalciumbade heraus, lässt erhalten,öffnet den Hahn a, bestimmt nun aus der Höhe der Quecksilbersäule in derGasmessröhre «las Volum der entwickelten Kohlensäure und berechnet mitBerücksichtigung - des vermehrten Druckes deren («ewichtsmenge. Nachdemdicss geschehen, verfährt man mit der entkohlensäuerten Flüssigkeit in derHasche // Behufs der Alkoholbestimmung, wie oben angegeben.

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