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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
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so lange er noch in der Pflanze eingeschlossen ist, auf den gleich-zeitig vorhandenen Zucker nicht einwirkt, nach dem Auspressen desSaftes aher durch Einwirkung des atmosphärischen Sauerstoffes eineeigenthiimliche Modifikation erleidet, in deren Folge er ehen jenekatalytische Wirksamkeit erlangt. Im Verlaufe des Gährungsprocessesselbst bildet sich in der gährenden Flüssigkeit ein Niederschlag, wel-cher im abgesonderten Zustande eben das ist, was man Hefe*) nennt,und an und für sich in hohem Grade das Vermögen besitzt, zuckerhal-tige Flüssigkeiten, deren Zucker wegen Abwesenheit eines katalytischenKörpers keine Alkoholification erleidet, zur Gährung zu disponiren.

§ 4:16. Verschiedene Arten des "Weingeistes. Der Wein-geist ist, wie aus dem Vorhergehenden hervorgeht, Bestandtheil allergegohrenen Flüssigkeiten und kann, indem man diese letzteren derDestillation unterwirft, von den gleichzeitig darin enthaltenen nichtflüchtigen oder minder flüchtigen Gemengtheilen ganz oder zum Tlieilegetrennt werden. Das gewonnene Destillat wird je nach dem Stoffe,welcher der Gährung unterworfen worden, mit verschiedenen Namenbelegt, und man unterscheidet Arak (aus Reis), Cognac oder Sprit(aus geringen Weinsorten), Rum (aus Zucker), Korn- und Kartoffel-branntwein. Diese Flüssigkeiten enthalten alle denselben Weingeist,dem sie ihre belebende und berauschende Kraft verdanken; was sieunterscheidet, sind eigenthümliche, mehr oder minder flüchtige saureOele, die man, in sofern sie die Geruchs- und Geschmacksorganeunangenehm af'ficiren, Fusel oder Fuselöl*) nennt, und welche, ver-möge ihrer Flüchtigkeit, sich gleichzeitig mit dem Weingeiste ver-flüchtigen und das Destillat verunreinigen. Der Branntwein aus Ge-treide und Kartoffeln ist besonders solcher Verunreinigung unterworfen.Oflicinelle Arten. In den Officinen werden verschiedene Ar-ten von Weingeist vorräthig gehalten, welche sich von einander nurdurch abweichenden Wassergehalt unterscheiden, nämlich:

1. Alkohol absolutus, wasserfreier Weingeist. Er wird er-halten durch wiederholte Rectification von höchst rectificirtem Wein-geist über solche Substanzen, welche grosse Anziehung zum Wasserbesitzen, und dasselbe innerhalb einer gewissen Temperatur mit gros-ser Intensität zurückhalten, ohne aber gleichzeitig chemisch zersetzendauf den Alkohol einzuwirken, so unter anderen geschmolzener salz-saurer Kalk oder Chlorcalcium. — .Es ist ein farbloses, dünnflüssi-

*) Was die Hefe sei, ob ein Aggregat lebloser organischer Ucherresteoder von mit besonderer Lebensthätigkeit begabten organisirten Wesen, istaus den damit unternommenen Untersuchungen noch nicht mit Sicherheithervorgegangen, doch ist letzteres höchstwahrscheinlich (Kützing in Erdm.Journ. XI).

*') Das Fuselöl ist ein Gift, dessen Genuss auch in der Verdünnung,worin es im Branntwein enthalten ist, einen seht nachtheiligen Elnlluss aufdie Gesundheit ausübt, so dass es unzweifelhaft zu den Flüchten einer gu-ten Medicinalpolizei gehört, darauf zu sehen, dass aller zum Genüsse be-stimmte Weingeist, sei es nun als Arzneimittel oder als Nahrungsmittel, da-von frei sei. Diess kann aber im Grossen wie im Kleinen leicht und voll-ständig bewerkstelligt werden durch Rectification des rohen Branntweins über'/u bis y i0 frisch ansgeglüheten Holzkohlen oder mit Zusatz von l / Soo Aetz-liali bei einer Temperatur, welche 75° C. nicht übersteigt.