250
der Benennung Talkerde Veranlassung gegeben hat. Die reine Magne,sia nimmt unter dem Namen Magnesia usta eine Stelle unter denchemischen Heilmitteln ein und wird durch Glühen von kohlensaurerMagnesia gewonnen. — Es ist ein vollkommen weisses, sehr locke,res, geruch- und geschmackloses Pulver, welches gegen 5000 Theil»kaltes Wasser zur Auflösung bedarf, und aus 61,29 Magnesium m u i38,71 Sauerstoff' besteht. Säuren und saure Salze werden davon neutralisirt; Salze, welche ein organisches Alkali oder ein schweres AI,..talloxyd zur Basis haben, werden davon zersetzt.
§ 339. Erkennung. Man erkennt die gebrannte Magnesia alssolche an der grossen Lockerheit, an der ohne Aufbrausen erfolgen.den Auflösung in verdünnter Schwefelsäure, und endlich an derfleischrothen Farbe, welche sie erhält, wenn sie, nachdem sie z u y 0 ,mit Kobaltsolution befeuchtet worden, eine Weile in der Löthrohr.flamme erhitzt wird. — Die gute Beschaffenheit giebt sich kund:
Prüfung', a. durch die der obigen Beschreibung entsprechen.den physischen Eigenschaften;
b. durch die ohne alles Aufbrausen erfolgende vollständige Auf.lösung in verdünnter Schwefelsäure, und
c. durch das Ausbleiben jeder Trübung beim Neutralisiren dermit Säuren übersättigten Auflösung mit kohlensaurem Ammoniak undnachherigem Zusätze von Schwefelammonium. Entsteht irgend diu.Trübung, welche durch zugesetzte Salmiakauflösung nicht versclnvindet, so ist die Bittererde mit fremden Substanzen verunreinigt.
§ 330. Chemischer Charakter der Talkcrae. a. Rüclsichtlich ihres chemischen Charakters bildet die Bittererde den Uebergang von den alkalischen zu den eigentlichen Erden, daher sie auclibald zu diesen, bald zu jenen gerechnet wird; ihre Auflöslichkeit inWasser ist nämlich, wie aus obiger Angabe schon hervorgeht, nursehr gering, mithin auch ihre Wirkung auf die Geschmacksorganeund Reagenspapiere; docii kommt sie mit den Alkalien und alkali-schen Erden darin überein, dass die Verbindungen, welche sie mitden Säuren eingeht, vollkommen neutral sind, was mit den der eigentliehen Erden nicht der Fall ist. Die Talkerdsalze (Sales magne-sici) sind in Wasser theils löslich, theils unlöslich; die ersterenbesitzen einen eigenen, unangenehmen, bittern Geschmack, lassenLackmuspapier unverändert, werden von doppeltkohlensauren Alkaliengar nicht, von einfachkohlensauren nur unvollständig gefällt, von kau-stischen fixen Alkalien vollständig zerlegt. Ausserdem werden die inWasser löslichen Talkerdsalze noch durch alle Salze zerlegt, mit derenSäure die Talkerde eine in Wasser unlösliche Verbindung eingeht,und zwar gehören dahin die Phosphorsäure, die Säuren des Arseniks,
wenige mit Bleioxyd glasirte Geschirre gegen diese Probe Slieli hallendürften.
Bleiglas. Das sogenannte Krystallglas (kieselsaures Bleioxyd-Kali),welches gegen 20 Proc. Bleioxyd enthält, darf nicht zu chemischen und pliar-maceutischen Geräthschaften angewandt werden, da es von sauren, alkali-schen und salzigen Flüssigkeiten leicht angegriffen wird und Bleioxyd andiese abgiebt. Man erkennt es leicht am bedeutenden spec. Gewichte.