Druckschrift 
Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
Entstehung
Seite
249
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

______ 249 ______

gelben oder röthlichen, schuppigen, schweren Massen, und liefertbeim Reiben ein blassgelbes glanzloses Pulver. Das ungeschmolzeneBleioxyd ist ein citrongelbes Pulver und kommt auch unter dem NamenMassicot im Handel vor. Die Bleiglätte dient zur Bereitung derBleipflaster, des Bleizuckers und des Bleiessigs; sie wird von allenSäuren, womit das Bleioxyd in Wasser lösliche Verbindungen ein-geht (§388), aufgelöst, ebenso von kaustischen Alkalien, wie unterandern von der Aetzkaliflüssigkeit und vom Kalkwasser. Diese letz-tere Auflösung, welche im Ganzen wegen der grossen Verdünnungdes Lösungsmittels nur wenig Bleioxyd enthält, wird zum Schwarz-färben der Haare angewandt. In der Technik findet eine häufigeAnwendung der Bleiglätte als Zusatz zur Glasur des irdenen Koch-geschirrs statt. *)

§ 3S7. Erkennung und Prüfung. Man erkennt die Glätteleicht an dem äussern Ansehen und au der bedeutenden Schwere,besonders aber an dem Verhalten vor dem Löthrohr auf der Kohle,wo es zu einem schön dunkelgelben Glase schmilzt, das mit Brausenzu einem Bleikorn reducirt wird. Die gute Beschaffenheit giebtsich durch vollständige Auflösliehkeit in mit 8 Theilen Wasser ver-dünnter Salpetersäure zu einer farblosen Flüssigkeit kund. Ein un-löslicher Rückstand verräth beigemischte fremde Stoffe, so wie einegriiüe oder gelbe Farbe der Auflösung einen zu grossen Gehalt anKupfer- oder Eisenoxyd, wovon jede Bleiglätte fast immer mehroder minder grosse Spuren enthält.

Magnesia.

(Magnesia asta. Oxydum magnesicum.)

Magne'sie.

(Oxyde de Magnesium.)

Magnesia. Bittererde. Talkerde. Magnesiumoxyd.

§ 338. Utagnesin usta. Die Magnesia ist das Oxyd des zurAbtheiluiig der leichten Metalle gehörenden Magnesiums;, und machteinen Bestandtheil vieler Mineralien aus, unter denen besonders derTalk (kieselsaure Magnesia) am häufigsten vorkommt und auch zu

*) Töpferglasur. Die gemeine Töpfcrglasur ist ein leichtflüssigesBleiglas, aus Bleioxyd, Thon und Kieselerde (Kieselsäure) bestellend, welchesbei massiger Hitze schmilzt, sich mit der Oberfläche der Gesehirre innigverbindet und diese für die darin zu behandelnden Flüssigkeiten undurch-dringlich macht. Bei Anfertigung der Glasurmasse ist es von Wichtigkeit,ein richtiges Verhältniss zwischen dem Bleioxyd und dem Thon zu treffen;denn ist ersteres in zu geringer Menge vorhanden, so ist die Glasur zustrengflüssig; beim Gegentheilc wird sie von den in den Küchen vorkommen-den sauren und salzigen Speisen angegriffen und diese werden dadurch blei-haltig. Von gut glasirten, zum Küchengebrauche bestimmten Töpfergeschir-ren wird gefordert, dass Weinessig von mittlerer Stärke, und Koclisalzaullö-sung, welche y i2 Kochsalz enthält, nach halbstündigem Kochen darin, beinachherigem Zusätze von verdünnter Schwefelsäure, nicht getrübt werden.Diess beweist zum mindesten, dass die geprüften Flüssigkeiten nicht über'/iooou Kleioxyd enthalten, also höchstens 1 Gran in 44 Unzen. Eine Prü-fung durch Schwefelwasserstoff ist nicht wohl anwendbar, indem wohl nur