183
dum cyanicum), *) mit Wasserstoff' erzeugt es die Blausäure (Cyani-dum hydricum s. Acidum hydrocyanicuni); in ersterer ist das Cyandas gesäuerte, in letzterer das säuernde Princip. Die Verbindungendes Cyans mit Metallen (Cyaneta) werden Cyanid und Cyanür ge-nannt, je nachdem das Metall in der Verbindung mit der grösstenoder mit der geringsten Menge Cyan verbunden ist, die es aufzuneh-men vermag und die Verbindung dem Oxyd oder dem Oxydul dessel-ben Metalls entspricht. Einige Cyanmetalle lassen sich aus beidenBestandtheilen unmittelbar zusammensetzen, andere werden auf dieArt erzeugt, dass man Cyanwasserstoff (Blausäure) mit dem Oxydedes Metalles, welches man mit Cyan verbinden will, in gegenseitigeBerührung bringt. Es findet hierbei ein Austausch der Bestandtheilestatt, der Wasserstoff der Säure tritt an den Sauerstoff des Metall-oxydes und bildet Wasser, während Cyan und Metall sich vereinigen.Diese Bildungsweise der Cyanmetalle hat Veranlassung gegeben, sieauch als blausaure Salze (cyanwasserstoffsaure Metalloxyde, Saleshydrocyanici s. borussici) zu betrachten, daher die in der chemischenIleilinittellehre noch üblichen Benennungen: blausaures Kali, blausau-res Eisenkali, blausaures Quecksilber, blausaures Zink. Diese An-sicht ist aber unrichtig, indem sich von den meisten dieser sogenann-ten blausauren Salze mit absoluter Bestimmtheit nachweisen lässt,dass sie weder Wasserstoff, noch Sauerstoff in ihrer Mischung ent-halten, folglich auch keine blausauren Metalloxyde sein können. Dieerwähnten Präparate müssen daher ihrer Zusammensetzung entspre-chend heissen: Cyankalium oder Kaliumcyanid, Cyaneisenkalium oderKaliumeisencyanür, weil das Cyaneisen in dieser Verbindung demEisenoxydul entspricht, endlich Cyanquecksilber oder Quecksilbercya-nid, und Cyanzink oder Zinkcyanid.
*) Diese Säure, obgleich weder unmittelbar, noch mittelbar dem Hcilmit-telapparat angehörend, ist doch rücksichtlich mehrerer interessanter Bezie-hungen, welche sie in ihrem chemischcu Verhalten darbietet, auch für denArzt nicht ganz ohne Interesse. Bringt man nämlich Cyansäure und Amino-niakgas, oder Chlorammonium und cyansaurcs Silberoxyd mit einander ingegenseitige Berührung, so entsteht cyansaurcs Ammoniak, welches, in Was-ser aufgelöst, während des \erdunstens eine merkwürdige IJmwandelung er-leidet; es verwandelt sich nämlich, in Folge einer Umsetzung seiner Ele-mente und ohne Veränderung seiner Zusammensetzung, in' einen ganz andernKörper, in Harnstoff, der nun weder Ammoniak noch Cyansäure enthält.
Der Harnstoff findet sieh gebildet im Harn der Thiere und Menschen,und macht seinen wesentlichen Bestandtheil aus; auch im Blute, imSchweissc, in hydropischen Flüssigkeiten, wird er vorgefunden, jedoch nurbei verminderter Harnabsonderung in Folge von Nicrendegeneration. Im iso-lirten Zustande bildet er farblose, prismatische Krystalle, von kühlendemGeschmacke, aber ohne Geruch; er ist in Wasser und Alkohol leicht lös-lich; die wässerige Aullösung erleidet nach längerer Zeit eine Zersetzung,indem der darin aufgelöste Harnstoff mit Zuziehung eines Anthcils Wassersich in kohlensaures Ammoniak umwandelt, und diess ist auch der Grundder Ammoniakbildung im faulenden Harn, die so bedeutend ist, dass darausim Grossen Salmiak fabricirt wird. — Bis -J- 120° erhitzt, schmilzt derHarnstoff, ohne Zersetzung zu erleiden; weiter erhitzt, zerfällt er in Ammo-niak- und Cyanürsäure, dieselbe Säure, welche sieh bei der trockenen De-stillation der Harnsäure bildet und früher ßrenzharnsäure genannt wurde;wird die Erhitzung noch weiter getrieben, so dcstillirt endlich die Cyanursäure ohne Aenderung der Zusammensetzung als Cyansäurehydrat über.