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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
Entstehung
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nicht in Alkohol, enthält in 100 Th. 32,20 Kupferoxyd, 27,92 Am-moniak, 32,58 Schwefelsäure und 7,30 Wasser. Es muss in wohlverschlossenen Gefässen aufbewahrt werden, sonst verliert es Ammo-niak, wird grün und löst sich dann nicht mehr vollkommen in Was-ser auf. Man verordnet dieses Präparat am zweckmässigsteu ineinfacher wässeriger Lösung mit Zusatz einiger Tropfen ätzender oderkohlensaurer Arnmoniakflüssigkeit, um eine Ausscheidung von Kupfer-oxyd zu verhindern.

§ 195. Erkennung. Man erkennt den ammoniakalischenKupfervitriol leicht am äussern Ansehen und an dem ammoniakalischenGeruch; seine gute Beschaffenheit ergiebt sich aus der vollständigenLöslichkeit in reinem Wasser.

Cyanogenium.

Cyanogcne. Cyan. Blaustoff.

§ 196. Cyan. Das Cyan ist als Bestandtheil der Blausäurefür die Lehre der chemischen Heilmittel wichtig, wiewohl es selbstnie unmittelbar als Heilmittel angewandt wird. Es kommt nirgendsisolirt vor, wird aber in allen Fällen erzeugt, wo Stickstoff und Koh-lenstoff haltige Substanzen mit Kali gemengt der Glühhitze ausgesetztwerden; ein Theil des vorhandenen Kohlenstoffes reducirt das Alkalizu Metall, welches nun im Momente seiner Entstehung beide Stoffedisponirt, sich zu Cyan unter sich und mit ihm selbst zu verbinden.Durch Auflösen der geschmolzenen Masse in Wasser erhält man eineFlüssigkeit, die hauptsächlich Cyankalium und kohlensaures Kali ent-hält und ehemals Blutlauge (Lixivium Sanguinis) genannt wurde,weil getrocknetes Blut vorzugsweise das angewandte kohlen - und stick-stoffhaltige Material war.

Wenn man die Blutlauge mit so viel von einer Auflösung vonEisen in Salzsäure versetzt, dass sie nicht mehr alkalisch reagirt,und darauf Salzsäure bis zur sauren Reaction zumischt: so bleibt einunlöslicher Rückstand zurück, dessen schönblaue Farbe zur Benen-nung des Cyans Veranlassung gegeben hat. Dieser blaue Körper isteine Verbindung von Eisen mit Cyan (§ 203). Durch Kochen dessel-ben mit Quecksilberoxyd und Wasser kann man das Cyan an dasQuecksilber übertragen und Cyanquecksifber erzeugen, während derSauerstoff, das Quecksilber verlassend, sich mit dem Eisen zu Eisen-oxyd vereinigt. Letzteres scheidet sich als unlöslich ab, das Cyan-quecksilber bleibt in Auflösung und kann durch Verdunsten in farblo-sen Krystallen isolirt erhalten werden, welche beim Erhitzen in pas-senden Gefässen in metallisches Quecksilber und Cyan zerfallen.

§ 197. Chemischer Charakter. Das isolirte Cyan erscheintals ein farbloses Gas von durchdringendem Geruch und höchst gifti-ger Wirkung, in 100 Theilen aus 53,66 Stickstoff und 46,34 Kohlen-stoff bestehend. Seinem chemischen Charakter nach gehört das Cyanzu den nichtmetallischen, sowohl säurungsfähigen, ais säurebildendenElementen, es gleicht in dieser Hinsicht dem Chlor, Jod, Schwefel,unterscheidet sich aber wesentlich von diesen durch seine zusammen-gesetzte Natur. Mit Sauerstoff bildet das Cyan die Cyansäure (Aci-