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bei weitem die zahlreichste Klasse und auch die chemisch wirksam-sten unter den Körpern dieser Art, daher auch bei den früherenChemikern die Meinung herrschte, dass Sauerstoff einen wesentlichenBestandtheil aller Säuren ausmache, und die hierauf sicli beziehendeBenennung dieses letzteren. Nachdem man aber später die Zusam-mensetzung mehrerer Körper von entschieden saurem Charakter genauermittelt und die Abwesenheit des Sauerstoffs in denselben erkannthatte, gelangte man auch zu der Ueberzeugung, dass ausser Sauer-stoff noch andere Körper die Fähigkeit besitzen, als säuernde Ele-mente aufzutreten, und Säuren zu bilden, wiewohl die derartigenSäuren rücksichtlich ihres chemischen Wirkungsvermögens im Allge-meinen den sauerstoffhaltigen bei weitem nachstehen. Beispiele derArt sind die Hydrochlorsäure (Salzsäure), die Hydrothionsäure, dieIlydrocyansäure (Blausäure); in ersterer wird der Sauerstoff durchChlor, in der zweiten durch Schwefel, in der dritten endlich durchCyan (Blaustoff) vertreten, in allen ist aber Wasserstoff das gesäuerteElement. Wegen dieses letzteren Umstände« hat man auch dieseSäuren in eine Klasse vereinigt und sie Wasserstoff/säuren genannt,aber mit Unrecht, da in ihnen der Wasserstoff nicht die Stelle desSauerstoffs in den Sauerstoffsäuren einnimmt; vielmehr stellen diesedrei Säuren nur einzelne Glieder dreier verschiedener Klassen vonSäuren dar, welche, analog der Benennung Sauerstoffsäuren, alsSchwefel-, Chlor- und Cyansäuren bezeichnet werden müssen.
§ 7.. In kleinen Gaben und in verdünntem Zustande sind dieSäuren, abgesehen von den absolut giftigen, wie die Säuren des Ar-sens, die Blausäure, angenehme und sehr wirksame Heilmittel; inconcentrirter Form üben sie jedoch eine ätzende, zerstörende Wir-kung auf den Organismus aus. Besonders ausgezeichnet sind in die-ser Beziehung die sogenannten Mineralsäuren (Schwefel-, Salpeter-und Salzsäure) und einige in concreter Form vorkommende Pflanzen-säuren (Kleesäure, Weinsteinsäure), welche wegen ihrer häufigenAnwendung in der Technik sehr verbreitet und jedem zugänglichsind. Im Allgemeinen verrathen sich diese Säuren durch einen aus-gezeichnet sauren Geschmack und starke saure Reactiön auf Reagens-papiere; auf ihre Individualität können sie mittelst des für jede ein-zelne Säure unter der betreffenden Rubrik beschriebenen analytischenVerfahrens erforscht werden.
Aciclum aceticmi*.
Acide acetique. Essigsäure.
§ 8. a. Die Essigsäure ist eine in der organischen Natur sehrverbreitete Säure, und wird im Essigbildungsprocesse durch Oxyda-tion des Weingeistes auf Kosten des atmosphärischen Sauerstoffs ingrosser Menge künstlich erzeugt (§ 1). Sie gehört zur Klasse derSauerstoffsäuren mit zusammengesetztem Radical, ist folglich eineorganische Säure; das Itadical selbst (Acctijl) besteht aus Kohlenstoffund Wasserstoff, und zwar sind die relativen Verhältnisse der einzel-nen Elemente in 100 Theilen 47,54 Kohlenstoff, 5,82 Wasserstoff und46,64 Sauerstoff, doch kann sie nicht vollkommen wasserfrei darge-