Meliaceae.
1909
Kelch besteht aus vier oder fünf, mehr oder weniger mit ein-ander verwachsenen Segmenten • die unregelmäfsige Corollebesitzt eine gleiche Zahl auf dem Fruchtboden dicht zusam-menstehende und selbst bisweilen zusammenhängende Blu-menblätter. Die Staubfaden sind in eine lange Röhre ver-wachsen, es sind ihrer meistens doppelt so viel, als Blumen-blätter, bisweilen stimmt die Zahl beider mit einander überein,oder es ist auch eine drei- und vierfach gröfsere Zahl vonFilamenten vorhanden, deren Staubbeutel in der bemerktenRöhre gleichsam versteckt liegen. Auf dem Blumenbodensitzt eine becherartige Nectarscheibe, welche den Fruchtkno-ten umgibt; dieser trägt einen einfachen Gritfei mit 3—5 oderüberhaupt eben so viel (freien oder verwachsenen) Narben,als Karpellen das Ovarium bilden. Die in mehrere Fächergetheilte Frucht hat bald die Structur einer Kapsel, bald einerBeere, bald einer Steinfrucht; bisweilen verschwinden dieFächer im Verlaufe der Vegetation und die Frucht erscheintdann einfächerig. Die Kapseifrucht öffnet sich mit 3 —5 Klap-pen, auf deren Mitte die Scheidewände sitzen. Jedes Fachhat gewöhnlich einen oder zwei ungeflügeSte, meistens eiweifs-loseSaamen, deren Embryo in umgekehrter Stellung sich be-findet, und blattartige oder dicke fleischige Cotyledonen be-sitzt.
Obgleich diese Familie mehrere sehr ausgezeichnete undhöchst schätzbare Arzneidroguen liefert, so ist doch keinederselben bis jetzt in die deutschen Officinen eingeführt wor-den, und wir müssen uns darum nur auf kurze Nachrichtenvon denselben beschränken.
Melia Azedarach L. Glatter Zadrach; von Linne in die Decan-dria Monogynia, von Andern in die Monadelphia Decandria gebracht} einin Ostindien und Syrien einheimischer Baum, der nun auch in Sicilien undanderwärts in Italien gleichsam verwildert vorkommt; seine Blätter glei-chen denen der Esche; sie sind doppelt gefiedert, glatt und bestehen auszweipaarigen, oval-lanzettförmigen, eingeschnitten gesägten Blättchen. Dieblauen oder weifslichen Blumen stehen in Bispen, sie haben einen fünf-spaltigen Kelch und fünfblätterige Corolle, die so lang ist, als die Säule,welche die io Staubfäden trägt und an der Spitze gezähnelt ist DerFruchtknoten trägt einen fadenförmigen Griffel mit fünfeckiger Narbe undhintcrläfst eine eiförmige funffächerige Steinfrucht , mit einem Saamen injedem Fache. Die bittre Rinde dieses auch in Amerika verwilderten Bau-mes, wird dort als Wurmmittel gebraucht, auch soll daraus nach Heineeine Art von Catechu erhalten werden können. Auch die bitter scharfe,giftige (?) Frucht, so wie die Blumen, werben als Arzneimittel verwendet,und aus den Kernen prefst man ein zum Brennen taugliches Oel.
Melia sempervirens Swartz, die immergrüne Melia, oder derHollunder der Antillen, wurde von Linne nur für eine Varietät der vori-gen Art gehalten, unterscheidet sich aber durch einen niedrigeren Wuchs,sowie durch immergrüne Blätter, aus 3 — 6 Paar Blättchen bestehend,die etwas runzlich und tiefer eingeschnitten gesägt sind. Nach J. B flicordMadianna gelten die Wurzeln und Frucht dieses westindischen Bäumchensfür ein Gift, was sie aber nach neueren an Hunden angestellten Vcrsu-Geigers Pharmaeie II. 2. (2U Aufl.) 114-
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