Druckschrift 
Bd 2. Welcher die pharmaceutische Mineralogie, Botanik und Zoologie enthält Abt. 2. Pharmaceutische Botanik 2 (1840)
Entstehung
Seite
1788
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1788

Lineac.

I

r-

Linurn catharticuin L.Purgirlein, Purgirflachs.

(Henk, plant, med. t. 245. Hayne Bd. 8. tab. 18.)

Ein häufig auf feuchten Wiesen, Grasplätzen u. s. w.wachsendes, jähriges, sehr zartes, ganz glattes Pflänzchen,mit 38 Zoll hohem, zum Theil höherem, dünnem, faden-förmigem Stengel, der sich oben gabelförmig zerästelt. DieBlätter stehen gegeneinander über, sie sind verkehrt eiför-mig länglich, nur wenig zugespitzt, glatt, am Bande etwasscharf. Die kleinen weifsen Blümchen erscheinen vom Junibis zum August am Ende der Zweige auf ungleich Jangen,sehr dünnen Blumenstielen; vordem Aufblühen hängend, rich-ten sie sich später auf \ ihre Kelchblättchen sind zugespitzt,die Kapsel ist der des gemeinen Leins der Form nach ähn-lich, doch viel kleiner.

Officinell ist das Kraut, oder vielmehr das ganzePflänzchen: Herba Lini cathartici, es ist geruchlos undschmeckt sehr bitter.

Vorherrschende Bestandtheile. Purgirender bit-terer Extractivstoff? Die Pflanze verdient näher untersuchtzu werden.

Sie soll mit Linum Badiola L. oder Badiola Mil-legrana Smith verwechselt worden seyn; diese ist einnoch kleineres, kaum 1 2 Zoll hohes, sehr zartes, zierli-ches Pflänzchen, mit sehr ästigem, gabelförmigem Stengel,vierblätterigem Kelche, vier Blumenblättern, und einer gleichenZahl von Staubfäden und Pistillen. Dafs Cerastium semide-candrum L. oder andere Arten von Cerastium statt Purgirleingesammelt worden sey, ist kaum zu glauben.

Anwendung. Man gibt die Pflanze in Pulverform zu 1 Drachme pro dosi ,oder 2 Drachmen bis V 2 Unze im Aufgusse. Sie wirkt meistens gelinde und ohneBeschwerden, soll aber in gröfseren Gaben Brechen erregen.

Geschichte. Der berühmte Botaniker Lobelius ist einer der ersten, wel-cher dieses Pflänzchen unter dem Namen Chamaelinum beschrieb und abbildenliefs; auch Joachim Camerarius erwähnt es als Linum pusülum; aber die Pur'girkräfte dieses Pflänzchens scheinen den alten Vätern der deutschen Botanik un-bekannt gewesen zu seyn. Auf diese machten Gerard, Bajus, Morison, Parkin-son und andere, zumal englische Aerzte, aufmerksam, und mit Recht wollteLinne dieses schätzbare Arzneigewächs eingeführt wissen, das auch wirklich inden älteren Brandenburger und Würtemberger Pharmakopoeen eine Stelle er-hielt, und getrocknet aufbewahrt wurde. Man gab das Pulver mit Cremor Tar-tari, oder ein mit Wein bereitetes Infusum. In den jüngsten Zeiten wurde derPurgirlein wieder mehrfach empfohlen. Man sehe G. Moritz Dissert. de Lin.cathartici vi purgante observationes Dorpat i835. 32. S. 8.