Druckschrift 
Bd 2. Welcher die pharmaceutische Mineralogie, Botanik und Zoologie enthält Abt. 2. Pharmaceutische Botanik 2 (1840)
Entstehung
Seite
1617
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Papaveraceae.

1617

gegen bei weitem mehr Morphium als das orientalische Opium;auch Codein fand sich in dem französischen Mohnsafte #).

d. Opiuinbereitung in England. In der Gegendvon Winslow bauten die Herren Cowley und Staines denMohn im Grofsen und erhielten im Jahre 1821 nicht wenigerals 60 Pfund Opium, das, wie sie behaupten, dem türkischennichts nachgab, indessen enthält es doch nach Hennel weni-ger Morphium als das türkische, in 700 Gran englischemOpium fand man 35 Gran des gedachten Alkaloids. NachPereira besteht das engliche Opium aus flachen, in Blätterneingehüllten Kuchen und gleicht dem ägyptischen mehr, alsjeder andern Sorte, seine Farbe ist die der Aloe hepatica,auch hat es einen ziemlich starken Opiumgeruch.

e. Opiumbereitung in Deutschland. Das kältereKlima unseres Vaterlandes läfst uns nicht hoffen, dafs ein Produktgewonnen werden könne, das dem unter orientalischem Him-mel erzeugten gleich komme; indessen sind doch die ange-stellten Versuche nicht ganz fruchtlos geblieben. Engerer gabeine specielle Anleitung zu einem seiner Ansicht nach geeig-neten Verfahren **). Geiger bereitete im Sommer 1826Opium aus unreifen Kapseln von Papaver somniferum var.seminibus nigris, das dem orientalischen ganz ahnlich sah ###),nur inangelte ihm der eigne betäubende Geruch der frischentürkischen Drogue, die Farbe war etwas heller, die Consi-stenz bei gewöhnlicher Temperatur immer etwas zähe, zwi-schen den Fingern leichter erweichbar, es roch wie getrock-netes Opium und hatte auch dessen Geschmack. GegenWasser und Weingeist verhielt es sich eben so und der un-lösliche Rückstand glich ganz dem des levantischen Opiums.Der wässerige (wie der geistige) Auszug war bei gleicherConcentration etwas weniger gefärbt, als von levantischemOpium, aber gegen Reagentien verhielten sie sich gleich.Dieses deutsche Opium enthielt Mohnsäure, Morphium, Opian,

*) Wer kann aus allen diesen Angaben klug werden ? und welchen wissen-schaftlichen Werth haben sie wohl p Hätten diese Herren genau angegeben,welcher Varietät des Mohns sie sich bedienten, hätten sie alle Umständeder Vegetation genau berücksichtigt, mit einem Worte, wären sie nichtblos Chemiker, sondern auch Botaniker gewesen, wie ganz anders würdenihre Angaben ausgefallen seyn ! Die Pflanzenkunde war von jeher und wirdes immer bleiben die Basis und die H a u p t w i s se ns c h a f t derPharniacie, der vortrefflichste und gewandteste Chemiker, dem aber diewissenschaftliche Pflanzenkunde fremd ist. wird nie auf den ISamen eine«Pharmaceuten Anspruch machen können.

**) Bekanntmachung der Erfindung, ein sehr gutes und wohllhätiges, sicheresnnd heroisches Opium im Inlandc anzufertigen u. s. w. von Carl Engerer,Hofrath etc. Nürnberg 1819.

*") Magazin für Pharm. Bd. i5. pag. 164.Geigers Pkarmacie II. a. (2«« Aufi.) 102

h

l

I«