35«
Judillll
I
ebengenannte Glieder im chemischen Systeme mit dem Namen Haloldeoder Salzbilder bezeichnet werden, weil sie mit den Metallen Ver-bindungen eingehen, die die grösste Aehnlichkeit mit den Salzen dar-bieten. Es ist in der Natur nicht minder verbreitet als Chlor, wirdaber stets nur in sehr geringer Menge angetroffen und wie letzteresnirgends isolirt, sondern immer nur in Verbindung mit Metallen, be-sonders Leichtmetallen, als Begleiter der entsprechenden Chlorverbin-dungen, wie z. B. in fast allen salinischen Mineralwässern, im Steinsalz,im Meerwasser. Wiewohl letzteres als die eigentliche Hauptquelle desVorkommen des Jods betrachtet werden muss, so ist es doch erst nachmehren misslungenen Versuchen gelungen, es darin nachzuweisen.Aus dem Meerwasser wird das Jod von den meisten, vielleicht allendarin lebenden Organismen mehr oder weniger leicht aufgenommen,und vom Organismus assimilirt. Auch im Mineralreiche, obwohl sehrsparsam, ist das Jod in Verbindung mit Silber aufgefunden worden. -—Behufs der Gewinnung des Jods im Grossen, wird das aus den jod-reichen Strandpflanzen gewonnene Varec oder Kelp mit Wasser aus-gelaugt, die Lauge durch Eindampfen und Krystallisation zum grösstenTheile von den jodleeren krystallisirbaren Salzen befreit, und die nichtweiter krystallisirbare Mutterlauge endlich, welche hauptsächlich Jod-natrium verunreinigt durch Chlornatrium, Schwefelnatrium und kohlen-saures Natron enthält, mit concentrirter Schwefelsäure in Ueberschussder Destillation in irdenen Gefässen unterworfen. Es wird hierbeiChlorwasserstoff, Schwefelwasserstoff und Jodwasserstoff entwickelt;letzterer aber zersetzt sich im Augenblicke seiner Entstehung mit Schwe-felsäure auf die Weise, dass sich Wasser und schwefelige Säure bildenund das Jod frei wird, welches als violettes Gas den Apparat anfüllt,und sich in den kalten Vorlagen verdichtet. Es wird durch Pressenzwischen Fliesspapier von der anhängenden Feuchtigkeit befreit undvon Neuem sublimirt.
§ £69. Eigenschaften. Im isolirten Zustand, unter den ge-wöhnlichen Temperaturverhältnissen, erscheint das Jod in Gestalt vontrocknen, dunkelgraueu, graphitähnlichen, metallisch glänzenden, mitrothem Lichte durchscheinenden Blättchen; aus der concentrirten Auf-lösung in Essigsäure oder Jodwasserstoffsäure krystallisirt es in sehrspitzen rhombischen Oktaedern mit zugeschärften spitzen Ecken. Esist weich, zerreiblich, besitzt ein spec. Gewicht — 4,948; schmilzt bei-{- 107 u C., siedet bei 178° C, und verwandelt sich in ein schöndunkelviolettes Gas, dessen spec, Gewicht, auf 0° und 0,7b' Meter Ba-rometerstand reducirt, nach dem Versuche 8,716 beträgt; mit Wasser-dämpfen verflüchtigt es sich bei weit niedrigerer Temperatur. Es istein Nichtleiter der Elektricität, riecht chlorähnlich, doch schwächer,schmeckt herb und scharf. Es wirkt zerstörend auf den Organismus,färbt die meisten organischen Substanzen braun, die stärkemehlhaltigenblau. Es ist in 7000 Theilen reinem, bedeutender in salzhaltigemWasser zu einer hellbräunlichen und in 10 Theilen alkoholisirtemWeingeist zu einer dunkelrothbraunen Flüssigkeit löslich. Auch inAether und ätherischen Oelen ist es löslich. Bei Bereitung dieserletzteren Auflösungen muss man das Jod in kleinen Portionen in das