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6 (1854) [P - R]
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Rutinsäure.

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ist, und theils mit den gelben Farbstoffen mancher Flechten, theils mitden Gerbsäuren Aehnlichkeit hat. Das Rutin ward 1842 zuerst vonWeiss und fast gleichzeitig von Kümmel aus den Blättern der Wein-raute dargestellt. Bornträger untersuchte es später genauer undnannte es Rutinsäure, wegen seiner Fähigkeit sich mit Basen zu ver-binden ; Rochleder und Hlasewitz erhielten dann aus den Kappern,den Blüthenknospen von Capparis spinosa, einen Körper, der die Zusam-mensetzung und alle wesentlichen Eigenschaften der Rutinsäure ans Rutagraveolens zeigt; und endlich fand Stein ein gleiches Product in denchinesischen Gelbbeeren, einem neuen gelben Farbematerial, welchesüber Hamburg angeblich aus China bezogen ist; auch dieser Körperstimmt im Wesentlichen mit der Rutinsäure überein, und an der Iden-tität der Stoffe aus den angegebenen verschiedenen Pflanzen ist wohlnicht zu zweifeln, wenn auch in denAngaben von Bornträge r, Roch-leder und Hlasiwetz und von Stein sich einzelne Differenzen fin-den, die aber wohl von Unreinigkeiten herrühren können.

Die Rutinsäure zeigt in Hinsicht auf den Wassergehalt eine ver-schiedene Zusammensetzung, je nachdem sie aus verschiedenen Flüssig-keiten , vielleicht auch bei verschiedenen Temperaturen krystallisirtward; nach Stein enthält die aus Wasser krystallisirte und an derLuft getrocknete Säure Ci 2 H 8 O s -f-HO; bei 100° getrocknet ist sieC 12 H s 0 8 , wie Bornträger zuerst gefunden und später Rochlederund Hlasiwetz bestätigt hatten. Lässt man das Rutin aus star-ker Essigsäure krystallisiren, so verliert es noch 1 Aeq. Wasser, undseine Zusammensetzung ist dann C 12 R 7 0 7 (Stein). In Verbindungmit Bleioxyd verliert die Säure endlich noch weiter Wasser, ihre For-mel ist in dieser Verbindung C 12 H 6 0 G . Demnach wäre die trockeneSäure als 2 HO . C 12 H 6 0 6 und die krystallisirte als 2 HO . C ]2 H 6 0 6-j- HO zu bezeichnen. Die zwei Aequivalente bei Verbindung mitBleioxyd sich ausscheidendes Wasser sind vielleicht nicht eigentlichbasisches Wasser, weil sie nicht durch zwei Aequivalente Metalloxyd,sondern, wie es scheint, schon durch 1 Aeq. Base vertreten werdenkönnen; doch sind die Salze noch zu wenig bekannt, um dies be-stimmt angeben zu können.

Auf die rationelle Zusammensetzung der Rutinsäure lässt sich nachden bisherigen Untersuchungen nicht wohl schliessen; das Verhaltenbeim Erhitzen (Caramelgeruch), so wie das Verhalten gegen alkalischeKupferoxydlösung nach vorhergegangener Behandlung mit verdünnterSchwefelsäure, so wie manche Aehnlichkeit mit Gerbsäure führen zu derVermuthung, dass diese Säure vielleicht auch eine gepaarte Verbindungvon Zucker ist (Stein).

Die Rutinsäure scheint in den Kappern und in den Gelbbeeren inreichlicherer Menge enthalten zu seyn, als in dem Kraut von Euta gra-veolens. Sie kann aus letzterem Material durch Ausziehen mittelst ver-dünnter wässeriger Essigsäure, oder mit wässerigem Ammoniak erhaltenwerden, oder durch Behandlung mit starkem Alkohol. Aus der amnio-niakalischen Lösung wird sie durch Fällen mit Säure abgeschieden; der

S. 99; Pharm. Centralbl. 1852 S. 869; Jahresbcr. v. Liebig u. Kopp 1851 S. 56J.Stein: Journ. f. prakt. Chera. Bd. LVIII, S. 399; Pharm. Centralbl. 1853 S. 197;Jahresbcr. v. Liebig vt. Kopp 1853 S. 535. v. Kurrer: Polvtech. Journ. v.Dingler CXXIX. S. 219; Pharm. Centralbl. 1853 S. 845.

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