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6 (1854) [P - R]
Entstehung
Seite
714
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714 Pyrometer.

Körper, dessen Anwendbarkeit zu thermometrischen Bestimmungen sichüber die ganze bekannte Temperaturscala erstreckt, die Luft, hat bisjetzt auch in der Pyrometrie die vorzüglichsten Dienste geleistet.

Das bereits erwähnte Pyrometer von Wedgewood, welches jetztnur noch historisches Interesse hat, gründet sich auf die Eigenschaftdes Thons, vom schwachen Glühen bis zur gänzlichen Verglasung einestetige Volum Verminderung zu erleiden. Auf einer Messingplatte warenmessingene Coulissen oder Leisten so aufgelöthet, dass sie am einenEnde 0,5; am anderen 0,3 Zoll Abstand hatten, also schwach conver-girten. Längs derselben ging eine Theilung von 0 bis 240 in glei-chen Theilabständen. Thoncylinder erhielten nach dem Trocknen unddem bis zur anfangenden Glühhitze gehenden leichten Brennen einesolche Form, dass sie zwischen die Coulissen an den Nullpunkt derScala passten. Nachdem sie dann dem zu bestimmenden Hitzgradeausgesetzt worden waren, und dabei eine entsprechende Volumvermin-derung erlitten hatten, wurden sie nach dem Erkalten aufs Neue zwi-schen die Messingleisten eingepasst und der entsprechende Theilpunktabgelesen. Nach Wedgewood's Bestimmungen lag der Nullpunktseiner Scala bei 581°C. und jede Abtheilung derselben war äquivalentmit 72° C. Dass die Bedingungen für die Anwendbarkeit des gedachtenPyrometers, nämlich die immer gleiche Beschaffenheit des Thons unddas daraus hervorgehende unveränderliche Schwindemaass, keineswegsmit Sicherheit herzustellen seyen, hatte zwar schon Wedgewoodselbst theilweise erkannt, ist aber gründlich erst von Guyton de Mor-veau nachgewiesen worden, welcher zudem zeigte, dass der Nullpunktder Wedgewood'schenScala nicht 581°C, sondern nur 270°C, undeine Abtheilung derselben nicht 72° C, sondern nur 34° C. entspreche, sodass der Umfang der Scala von 270° bis 8430° C. reichte.

Unter den Platinpyrometern, deren von Guyton de Morveau,Daniell, Neumann und Petersen J ) angegeben worden sind, ver-dient wohl das Daniell'sche den Vorzug und eine nähere Beschrei-bung. Auf dem Boden einer 8. Zoll langen , im Lichten 0,3 Zoll wei-ten Büchse von Reissblei (Mischung von reinem Graphit und Thon)steht eine 6,5 Zoll lange Platinstange auf. Auf das obere Ende die-ser Stange passt, gleichsam als Verlängerung derselben, eine Porcellan-stange, welche noch 1 Zoll weit aus der am oberen Ende zur Hälfteweggeschnittenen Büchse heraussieht. Dieser Porcellanindex ist mit-telst eines Platinringes und einem zwischen diesen und die Büchse ein-getriebenen Porcellankeil festgeklemmt. Wird dieser Apparat einerhohen Hitze ausgesetzt, so schiebt die Platinstango vermöge ihrer stär-keren Ausdehnung den Index fort, ohne dass dieser beim Erkalten wie-der zurückgehen kann. Ein Zeigerapparat, welcher vor und nach demVersuch auf dieselbe unveränderliche Weise auf das obere Ende derBüchse aufgesetzt werden kann, gestattet die Verschiebung des Indexin zehnfacher Vergrösserung zu messen. Man kann daraus die wahreAusdehnung der Platinstange finden, wenn man diejenige der Reissblei-büchse kennt. Letztere aber bestimmte Daniell mit Hülfe des Du-long- und Petit'sehen Ausdehnungscoefficienten des Platins und mit-telst directer Versuche innerhalb der Temperaturgränzen von 18° bis

') Vergl. Gehler's physik. Wörterbuch, neue Bearbeitung, Bd. VII, 2. Abthei-lung, S. 986 bis 996, Abbildungen des Daniell'sehen Pyrometers, Tafel XVII.