Purpursäure. 699
Bei der Behandlung von Alloxantin mit Ammoniak oder Ammo-niaksalzen entsteht Uramil, dessen farblose Lösung in Ammoniak bei70°C. mit Alloxan versetzt, bis sie kaum noch alkalisch reagirt, tiefrothwird; beim Erkalten krystallisirt das Murexid (Liebig).
Wird 1 Thl. üramil mit 1 Thl. Quecksilberoxyd und 30 bis 40Thln. Wasser nach Zusatz von sehr wenig Ammoniak langsam zumSieden erhitzt und filtrirt man, nachdem die Flüssigkeit einige Minutengekocht hat, die kochende, dunkel gefärbte, dickliche Masse, so scheidetsich aus dem Filtrat beim Erkalten, in reichlicherer Menge noch nachZusatz von etwas kohlensaurem Ammoniak, das Murexid krystallisirtaus. Der auf dem Filter bleibende Rückstand kann durch wiederhol-tes Kochen mit Queeksilberoxyd und Ammoniak noch mehr Murexidliefern (Liebig und Wöhler).
Das Murexid krystallisirt in feinen Nadeln oder in platten, vier-seitigen Tafeln oder in kurzen Prismen; unter dem Mikroskop oder ge-gen das Sonnenlicht gehalten, erscheinen sie durchsichtig, bei durch-fallendem Lichte sind sie granatroth, im reflectirten Lichte zeigen sichdie beiden Seitenflächen prächtig grünlich metallisch glänzend, ähnlichden Flügeldecken der Goldkäfer; in grosser Masse zeigt sich zugleicheine braunrothe Farbe. Zerrieben giebt das Murexid ein rothbraunesPulver, welches unter dem Polirstahl den grünlichen Metallglanz wie-der annimmt. Es ist geruchlos und zeigt einen süsslichen Geschmack;es röthet schwach Curcuma. Bei 40° C. verliert es an der Luft schonetwas Wasser; im Vacuum über Schwefelsäure oder bei 100° C. getrock-net gehen 2 Aeq. Krystallwasser fort und das getrocknete Pulver er-scheint dann sattbraunroth (Fritzsche). Es löst sich nur in 1500 Thln.Wasser von 15°C, viel leichter in heissem Wasser; die Lösung ist sehrdunkel gefärbt und erscheint selbst noch tief purpurn, wenn 1 Thl.Salz in 30000 Thln. Wasser gelöst ist. In Weingeist oder Aether istdas purpursaure Ammoniak unlöslich; in wässerigem kohlensauren Am-moniak ist es weniger löslich als in reinem Wasser; es wird daher auswässerigen Lösungen bei Zusatz von kohlensaurem Ammoniak vollstän-diger ausgeschieden. Bleibt eine Lösung von purpursaurem Ammo-niak längere Zeit an der Luft stehen, so entfärbt sie sich in der Kälteerst nach längerer Zeit, beim Erhitzen etwas schneller, aber ohne Sauer-stoff zu absorbiren (Gmelin). Wird die frisch bereitete, wässerigeLösung von Murexid rasch eingedampft, so scheidet sich der grössteTheil der Substanz unverändert ab, gemengt mit wenig einer rothgel-ben in Wasser unlöslichen Substanz.
Wird das Murexid mit weniger Wasser als zu seiner Lösungnötlvig ist, längere Zeit gekocht, so wird die Masse farblos und beimErkalten scheidet sich eine gelbe gallertartige Masse ab.
Chlor zerstört das Murexid augenblicklich. In gelinder Wärmelöst es sich in concentrirter Schwefelsäure zu einer safrangelben Flüs-sigkeit, aus welcher durch Wasserzusatz eine gallertartige Masse ge-fällt wird; wird die concentrirte gelbe Lösung erhitzt, so entwickeltsich Kohlensäure und schweflige Säure und die Lösung wird dann durchVerdünnen mit Wasser nicht mehr getrübt.
Wird purpursaures Ammoniak mit wenig Wasser zusammen ge-rieben und dann mit überschüssiger Salpetersäure versetzt, so bildetsich eine gelbe Lösung, aus welcher sich beim freiwilligen Verdampfengelbliche Krystalle abscheiden, der Form und dem Verhalten beim Er-
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