Druckschrift 
6 (1854) [P - R]
Entstehung
Seite
697
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Purpursäure.

Nach Gmelin's Formel müsste das Uramil (C ls H 10 N (; O 12 ) '2 Aeq.Sauerstoff aufnehmen, um Murexid (C 16 H 8 N 6 0 12 ) und 2 Aeq. Wasser(2 HO) zu bilden.

Welche der angegebenen Formeln die richtige sey, muss durchspätere Untersuchungen entschieden werden; jedenfalls liegt hier dieSchwierigkeit in der Darstellung eines reinen unzersetzten Präparats,denn anders ist eine so bedeutende Differenz in der procentischen Zusam-mensetzung nicht zu erklären; die Formel von Liebig und Wöhlererfordert 3 Proc. Stickstoff mehr als die Formeln von Fritzsche undG-melin. Die von Fritzsche gegebene Formel scheint nach seinenAnalysen selbst nicht ganz zulässig, da der gefundene Wasserstoff mitden berechneten allzugenau übereinstimmt; man kann deshalb, statt wieFritzsche die Zusammensetzung der sogenannten freien Purpursäurezu C 16 H 4 N 5 O 10 zu nehmen, dafür die Formel CxgHäNsOlo setzen, odermit Gmelin 1 Aeq. Wasser hinzufügend, CioH^Nj O u . Diese An-nahme ist deshalb zu rechtfertigen, weil Fritzsche in den meistenSalzen und namentlich auch im Silbersalze noch 1 Aeq. Wasser an-nehmen muss, welches sich bei höherer Temperatur, oft selbst bei 300°C,noch nicht abscheiden lässt, eine Annahme, die durch keine bestimm-ten Gründe unterstützt wird.

Das Murexid bildet sich, wenn eine Lösung von Harnsäure inSalpetersäure, welche Lösung Alloxan und Alloxantin enthält, mit Am-moniak behandelt wird, oder wenn die Oxydationsproducte der Harn-säure durch wässeriges Chlor oder Jod der Einwirkung von Ammo-niak ausgesetzt werden. Auch mannigfaltige Zersetzungsproducte derHarnsäure liefern unter gewissen Umständen Murexid, so das dialur-saure Ammoniak beim Erhitzen, das Uramil bei der Oxydation mit-telst Quecksilberoxyd oder Silberoxyd; es bildet sich auch purpursau-res Ammoniak, wenn die Lösung von Uramil in Ammoniak der Ein-wirkung der Luft ausgesetzt, oder wenn sie mit Alloxan versetzt wird;ferner bei der Zersetzung von Alloxan mittelst des galvanischen Stro-mes; bei der Behandlung von Alloxan und Alloxantin mit Ammoniak,und wenn eine ammoniakalische Lösung von Murexan der Luft ausge-setzt wird.

Die Darstellung des purpursauren Ammoniaks ist immer eineziemlieh schwierige Operation, welche nicht selten misslingt; nament-lich nach der allgemein gehaltenen Vorschrift von Prout, Harnsäurein verdünnter Salpetersäure zu lösen, mit Ammoniak zu neutralisirenund abzudampfen, misslingt der Process sehr oft, da Concentration undTemperatur der Flüssigkeit von dem allergrössten Einfluss sind, so dassselbst nach den genauen Vorschriften von Lieb ig und Wöhler dieAusbeute oft sehr ungleich ausfällt.

Zur Darstellung des Murexids aus Harnsäure wird 1 Theil dersel-ben in einer grossen Schale mit 32 Thln. Wasser übergössen, zumSieden erhitzt und sehr allmälig und in kleinen Quantitäten Salpeter-säure von 1,425 specif.Gewicht zugesetzt, welche vorher mit dem dop-pelten Gewicht Wasser verdünnt ist; hierbei darf keine neue MengeSäure zugesetzt werden, ehe das jedes Mal sich zeigende Aufbrausender Flüssigkeit nachgelassen hat. Wenn nur noch eine kleine MengeHarnsäure ungelöst ist, so wird ohne weiteren Zusatz von Säure zumSieden erhitzt, filtrirt und das Filtrat abgedampft. Hat die Flüssig-keit beim Erhitzen eine Zwiebelfarbe angenommen, giebt eine Probe