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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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Nachträge.

der griechischen Sprache nur in bescheidenem Umfange mächtig war,vom Arabischen und Syrischen aber kein Wort verstand; späterhin neigteer jedoch in zunehmendem Maße zur Überschätzung des zuwege Gebrachtenund ließ jede gesunde Selbstkritik vermissen. Die Voraussetzung für dasZustandekommen guter Ausgaben waren ihm zwar wohlbekannt und ergibt ihnen an einer Stelle in dem klaren Satze Ausdruck, man solle sämt-liche Handschriften sorgfältig prüfen und den berichtigten Text vollständig,ohne Auslassung oder Binschiebung, sowie ohne Zusätze des Herausgeberszum Abdrucke bringen 1 ). Diese goldenen Regeln befolgte er jedoch nichtnur selbst in keiner Weise, sondern ließ auch seine (amtlich ihm unter-stellten) sprachkundigen Mitarbeiter (Rttelle, Duval, Hotjdas) nichtfrei gewähren, verfügte vielmehr völlig willkürlich über die Ergebnisseihrer Leistungen und gab von deren Umfang und Tragweite ein so wenigzutreffendes Bild, daß sich diese Gelehrten wissenschaftlich beeinträchtigtund auch in kränkender Weise zurückgesetzt fühlen mußten 2 ): ihre Namenwaren zwar genannt, an mehr als einer Stelle und auch mit Lob; aber dieganze, eigentümlich schillernde Art der Darstellung blieb darauf angelegt.,die gesamte geistige Arbeit und überhaupt alles Verdienstliche allein vonBerthelot ausstrahlen zu lassen, und sie erreichte dieses Ziel mit solchemErfolge, daß selbst Fachmänner wie Sudhoee oder Reitzenstein längereZeit an die alleinige und persönliche Herausgeber- und ÜbersetzertätigkeitBerthelots glaubten 3 ). Dieser große Mann besaß eben auch großeSchwächen und zu ihnen zählte vor allem eine übermäßige Eitelkeit 4 );seih Leitmotiv auf allen Gebieten, die er bearbeitete, und es wirdhierauf noch weiter unten zurückzukommen sein, war daher der Satz,den der einstige Schüler im zweiten Teile desFaust" mit den Wortenausspricht:Die Welt, sie war nicht, eh' ich sie erschuf."

Was die Codices der griechischen Alchemisten anbetrifft, so schenkteBerthelot allein den in Paris und Venedig befindlichen eingehende Be-rücksichtigung, während er von den übrigen bloß einen Teil näher über-prüfen ließ, und auch diesen nicht immer durch Persönlichkeiten von be-währter Sachkunde. Aber auch die so ermittelten Texte veröffentlichteer nicht in genauer und wortgetre\ier Fassung, vielmehr zog er es vor,ihnen auf Grund gewisser vorgefaßter Anschauungen, also befangen in dem,was Kopp sehr bezeichnendPseudopsie" nennt 5 ), eine neue Einteilungin mehrere Gruppen zu geben und sie dieserhalb zu zerstückeln (decom-poser) 6 ), in eine Anzahl von Absätzen aufzulösen, die oft nur wenige Zeilenlang sind 7 ), und mit zugehörigen Auszügen aus verschiedenen Hand-schriften sehr verschiedenen Alters zu durchflechten. Ein solches, vonReitzenstein 8 ) mit Recht alsunbegreiflich" bezeichnetes, von derWissenschaft längst als durchaus unzulässig verworfenes Verfahren der

*) Aroh. 194, 206.

2 ) Persönliche Mitteilung des berühmten Chemikers Moissan.

3)Berthelots Collationen aus den Pariser Handschriften" fand Reitzen-im allgemeinen ziemlich genau" (Poimandres" 9).

a) Persönliche Mitteilung Moissans. &)Alch." 2, 180.

«) Coli. I, Vorr. 15 ff.; Intr. 179, 295 ff. ?) z. B. Coli. II, 115, 284, 374.

8)Poimandres" 9.