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Nachträge.
1. Berthelot als Historiker.
Verschiedene Abschnitte des vorliegenden Werkes machten es er-forderlich, auf erhebliche Mängel der BEBTHELOTschen geschichtlichenArbeiten und Auffassungen hinzuweisen, was vielleicht manchem Leserinsofern überraschend gewesen sein mag, als der Historiker Berthelot,wiederholten und keineswegs erst der allerjüngsten Zeit entstammendenEinwendungen zum Trotze, immer noch den Ruf einzigartiger Sachkenntnis,seltenster Umsicht und unfehlbarer Zuverlässigkeit genießt; indessen istdieser hauptsächlich dadurch zustande gekommen, daß der als Chemikerund Gelehrter, Freigeist und Patriot, Politiker und Minister bereits hoch-berühmte Verfasser, dessen rastlose Bemühungen und unermüdliche Tätig-keit auch auf geschichtlichem Felde keineswegs unterschätzt werden sollen,ihn im Laufe eines noch langen Lebens und mit allen Mitteln seiner weit-reichenden Einflüsse immer wieder aufs neue selbst für sich in Anspruchnahm und durch ausgedehnte, von ihm abhängige Kreise in gleichemSinne verkünden ließ 1 ), bis er schließlich hierin nicht weniger bei seinenVolksgenossen Glauben fand als im Auslande. Auch dort wurden seineSchriften in zumeist maßloser und einseitiger Weise verherrlicht und ver-himmelt, wobei indessen den Kritikern zwei Umstände zur Entschuldigunggereichen: einerseits standen ihre Meinungen mehr als billig unter demEindrucke, den der Umfang des Geleisteten, die vortreffliche Darstellung,der schöne Stil sowie die selbstbewußte Sicherheit des Verfassers auf sieausübten; andererseits ermangelten sie, entweder völlig oder doch in aus-reichendem Grade, gründlicher eigener, aus erster Hand geschöpfter Kennt-nis der betreffenden Quellen und vollends der gesamten für die Beurteilungder behandelten Fragen in Betracht kommenden Litteratur. Die untersolchen Verhältnissen gefällten Urteile standen aber zunächst einmal alsmaßgebende fest, und es bedurfte längerer Zeit, bevor sich die Stimmeneinzelner wirklicher Sachkenner erhoben, und noch längerer, bevor sieseitens der Allgemeinheit einiges Gehör finden konnten.
Bbrthelot selbst befand sich — anfänglich wenigstens — über dieSchwierigkeiten einer „Editio princeps" der griechischen und gar derorientalischen Texte alchemistischen Inhaltes nicht im unklaren 2 ), zumaler in dieser Hinsicht nicht die geringste Erfahrung besaß und außerdem
% ) Nach Talleybahd „schafft man Tatsachen, indem man sie unaufhörlicherzählt". 2) Coli. I, Vorr. 14, 18.