Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
625
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

11. Eisen.

625

Herstellung geschieht dort noch heutzutage im Ideinen, indem man das aussehr reinen Erzen gewonnene Schmiedeeisen in Stäbchen zerteilt, diese ingewisser Weise mit Holz und Blättern bestimmter Pflanzen zusammen-schichtet und erhitzt, das entstehende Gemisch an Kohlenstoff ärmerenund reicheren Eisens wiederholt umschmiedet und es schließlich anätzt,wobei die Säure das kohlenstoff reichere Produkt schwächer angreift undhierdurch die bekannte wellen- oder flammenförmige Zeichnung erzeugt;als wesentlich ergibt sich hierfür, daß genügend lange, aber nicht zu stark(keinesfalls bei oder oberhalb 700°) geglüht und die fertige Mischung derEisen-Kohlenstoff-Verbindungen (feinkörnigen Cementits und Perlits) wedereiner zu hohen Temperatur ausgesetzt noch während der Abkühlungdurchgearbeitet wird 1 ). Unrichtig ist, daß dabei geringe, aus den benütztenErzen herrührende Gehalte an seltenen Bestandteilen, z. B. an Wolfram,von Einfluß sind, und fraglich, ob sich ein schon 1780 von Pebjret erwähnteseigentümliches Härten (durch Abkühlen mit kalter, durch eine schmaleSpalte austretender Preßluft) als nützlich oder notwendig erweist 2 ). DasZusammenschweißen von fertigen Stäben Stahl und Schmiedeeisen nebstetwas Holzkohle, Graphit oder Roheisen, — oft nach ganz bestimmtenMustern —, ergibt zwar in den Händen Geübter recht schöne Ware, führtaber stets nur zu mehr oder minder gelungenen Nachahmungen der eigent-lichen echten; Schärfe und Gleichmäßigkeit der Zeichnung, sowie Glanzund Schiller ins silber- oder goldfarbige hängen dabei völlig von Beschaffen-heit, Reinheit und Mischungsverhältnis der Rohstoffe ab, sowie von Er-fahrung und Geschicklichkeit des Ausführenden 3 ).

Die alten Araber schrieben nach Ibn Rusteh (um 900) die Erfindungder eisernen Pflüge, Waffen und Geräte meist dem König Salomon zu,verlegten sie also in die mythische Vorzeit, während Tha'alibi (um 1000)zu erzählen weiß, der um etwa 500 Jahre ältere Dhtt Ihzan aus dem Stammeder Himjariten sei zuerst auf den Gedanken gekommen, die Speeresspitzenaus Rinderhorn durch solche aus Eisen zu ersetzen 4 ). In Wirklichkeitbestand aber schon in vorislamischer Zeit eine alte einheimische Eisen-industrie in Ostarabien, Bahrain, Oman und Jemen, wo Lanzen, Helme,Schwerter und auch Panzer angefertigt wurden, die besten aus persischem,indischem und angeblich auch chinesischem Eisen und Stahl, welcheletzteren man auf dem Seewege erhielt 6 ). Die Behauptung, die erstenSchwerter hätten aus Eisen des Himmels = Meteoreisen bestanden, isteine bloße Sage 6 ), gegen die nicht nur die Schwierigkeit spricht, diesesMaterial zu schmelzen und zu bearbeiten, sondern auch die Tatsache,daß die Schmiede bei den Arabern seit jeher und bis auf den heutigen Tagmißachtet sind, für stammfremd gelten und außerhalb der Ehegemeinschaftstehen 7 ); es ist dies um so auffälliger, als die 57. Sure des Korans lehrt,

*) Guertler, „Chemiker-Zeitung" 1915, Refer. 71.) Vogel, „Zeitschrift für angewandte Chemie" 1916, 509.) trSELL 88 (f.; Feldhaus, „Technik" 179; BelaieW, „Chemiker-Zeitung"1911, Refer. 512. «) E. Wiedemanh, „Gesch.-Bl." 3, 193 ff.

5 ) Kremer 1, 79; 2, 283ff.; Wüstenfeld, „Das Heerwesen der Muslime"(Göfctingen 1880), Text 27. «) Kremer 2, 284.

7 ) Ed. Meyer, „Alt," 1 (1), 68, 70; 1 (2), 364; E. Wiedemann, „Uhren" 190, 12.

40

v. Lippmann, Alchemie.