Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
599
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

9. Zink.

599

In deutlicher Weise erklärt 1617 Löhnbyss das Zink oder Conterfeyt,das zum Nachmachen des Goldes dient, für ein Metall (das er aber irrtümlichdem Wismut gleichsetzt) und schildert, wie es sich an und vor den Wan-dungen der Goslarer Schmelzöfen ansammle und dort von den Knechten,falls ihnen jemand ein Trinkgeld verspreche, abgeklopft werde 1 ). Derfranzösische Arzt Jean Rey (15831646), der zuerst die Gewichtszunahmeder Metalle beimVerkalken" durch Aufnahme eines Bestandteiles ausder Luft erklärte, spricht 1630 auch vom Verbrennen des indischen Calaemzu Zinkblumen 2 ); Glauber (1657) 3 ) und Becher (1661) 4 ) halten Zinkoder Spiauter für ein Metall,aber für ein unzeitiges, wie Quecksilber,Antimon, Zinnober und Vitriol"; auch Boyle (16261691) gedenkt inseinen Schriften neben dem neuen ostindischen MetallTutanag" 5 )wiederholt des Metallszink" 6 ),pewter" 7 ),zink or spelter" 8 ), unterwelchem letzteren Namen es bei den Händlern bekannt sei 9 ). In deutschenStädten, z. B. in Nürnberg, wurde nach Jtjngius (1667) zu dieser Zeiteinheimisches Zink auch bereits in größeren Mengen verkauft und zu ver-schiedenen Zwecken verwendet 10 ); ob .zu diesen auch die medizinischenzählten, ist fraglich, denn was einige Apotheker-Taxen von 1687 und 1700unter dem NamenMarchasita pallida" aufführen 11 ), kann nicht dasMetallZinck" sein. Über die Darstellung des letzteren findet sich nochnichts in dem ausführlichen Kapitel desMuseum museorum" Valentinisvon 1714 12 ), 1721 war sie jedoch dem deutschen Bergmeister Henckel 13 )und spätestens 1730 auch englischen Hüttenleuten bekannt, es gelang aber,sie einige Jahrzehnte lang weiterhin versteckt zu halten. Noch in seinerKieshistorie" von 1754 teilt Henckel zwar die Gewinnung aus Galmei undKohle mit 14 ), spricht öfters vonzinkischem Wesen" 15 ) und beschreibtdas Metall 16 ), gibt jedoch vor,vom Halbmetall Zink oder Spiauter ...könne die Entstehung noch nicht so gar eigentlich gelehret werden"")und ähnlich behauptet er auch 1755 in seinerTerra saturnizans" 18 ):DerZink ... ein Körper von der allerseltensten Mischung und Eigenschaft,wird'auf den Harzer Schmelzhütten in denen Spuren der Öfen gefunden,und man kann eigentlich nicht sagen, woraus er kommt und besteht."So blieb es denn dem großen Chemiker Marggraf (17091782) vorbehalten,

M Bericht vom Bergwerk" (Goslar 1617) 83; die Stelle führt auch Henckelan (Kieshistorie" .Leipzig 1754; 521); vgl. Beckmann 3, 404; W. Hommel, a. a. O.

2 )Essais", ed. Petit (Paris 1907) 72; Lippmann,Abh." 2, 300.

8 ) Kopp, G. 4, 119. 4 )Metallurgia" (Frankfurt 1661) 5.

5 )Werke" (London 1772) 3, 713. 6 ) ebd. 1, 780; 3, 721.

T ) ebd. 2, 568. 8 ) ebd. 2, 120; 3, 713; 4, 336, 627. 9 ) ebd. 4, 627.10 ) W. Hommel, a. a. O.

u ) Flockiger,Dokumente zur Geschichte der Pharmazie" (Halle 1876) 68,79; so auch schon bei Schröder (Thesaurus pharmacologiae", Ulm 1662, 458), jaschon bei Libavius (Alchymia" 253;Commentationes" 293), der,Marchasita pallidaalsgelfum" bezeichnet, d. h. wohl als gelb, wie auch Mathesius von einergelffenSteingallon" spricht (Bergpostilla" 26). 12 ) Frankfurt 1714; 1, 89.

13 )Pyritologia" (Leipzig 1725); Lippmann,Abh." 1, 289. Eine das Zinkbetreffende Schrift von Respours,Rares experiences sur l'esprit mineral" (Paris1701), soll Henckel ebenfalls übersetzt und erläutert haben.

14 )Kieshistorie" (Leipzig 1754; 2. Auflage der Pyritologia) 571, 721.») ebd. 496. 520. 18 ) ebd. 517. ») ebd. 85. ls ) Leipzig 1755; 9.