6. Messing.
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passende Stücke zerschnitt 1 ). Etwas später, zur Zeit des Plinitts 2 ),wurden die Galmeilager des niederrheinischen Gebietes entdeckt, und als-bald entwickelte sich dort, hauptsächlich in der Gegend von Juliacum(Jülich), eine ausgedehnte Messingindustrie, deren Blütezeit um 150 an-zusetzen ist und deren Erzeugnisse durch die römischen Großkaufleuteerst in alle Nordsee-, später aber auch in die Ostsee-Länder verhandeltwurden 3 ); als gegen 300 die Barbaren einbrachen, ging sie zwar unter,aber das Vorhandensein der Galmeilager daselbst, in der Aachener undStoiberger Gegend, sowie im Maastale scheint niemals völlig in Vergessen-heit geraten zu sein und veranlaßte jedenfalls die Wiederaufnahme diesesGewerbszweiges vom 11. Jahrhundert an 4 ).
Was den Namen „Messing" betrifft, so wollte man ihn u. a. von einemslavischen *mosengju ableiten, dieses vom spätpersischen miss, miess,moess (= Kupfer) und dieses wieder vom pontischen *moss oder mossu,dem Erze der Mossynöken 5 ). Viel näher liegt aber als Stammwort dasmittellateinische massa = Klumpen, Klotz (als „Massel" noch jetzt fürdie Roheisen-Luppen gebräuchlich), das als mass, mess, meze, messe nach-gewiesen ist 6 ), im mittelhochdeutschen mösch, möschnic, missinc, messinc,messing lautet 7 ), auch in der „Sarepta" des Mathesitjs als „messinc,messnic, messen" nachklingt 8 ), in niederländischen Dokumenten von 1517und 1579 als myssink und massener Ware 9 ), und noch im Basler Zeughaus -Inventare von 1666 als Mössinc, Möschnic, Mösschinen 10 ). Im Nieder-ländischen, Flämischen und Holländischen wird aber Messing oft auchmit „Kupfer" bezeichnet (s. das französische cuivre blanc), indem es füreine bloße Art gefärbten Kupfers galt n ); auf Gleichsetzung mit Bronzewiederum deutet wohl das angelsächsische braes und das englische brass 12 ).
Der in älteren Aachener Urkunden vorzufindende Namen „Latven"kommt vom französischen laiton (span. laton; ital. lottone, oder, unterHinweglassung des vermeintlichen Artikels, ottone), und dieses nach Dietzvon plata, latta, latte (engl, latten), der Bezeichnung für das allezeit sobeliebte dünngeschlagene Weißmessing-Blech 13 ), nach Rossignol von „aesluteum" (= gelbes Erz) 14 ), nach der zweifellos richtigen Erklärung Du-canges aber von „Elektron" 15 ). Das französische „archal", von dem
x ) „Periplus", ed. Fabricius (Leipzig 1883) 43, 47; vgl. auch die fieZlerp&agenannten dünnen Platten (ebd. 121, 188). 2 ) lib. 34, cap. 2.
3 ) Willers, „Unters." 30, 37 ff., 104; Beltz, bei Hoors 3, 517.
*) Willeks a. a. O., 35, 37 ff.; das Kupfer kam damals aus den MansfeiderGruben über Goslar an den Rhein.
*) Schrader, „R. L." 539; „TJrg." 73; Kopp, „Gesch." 4, 113.) Schrader, a. a. O.; Hoops, a. a. O. Meze = Kupfer s. Sattler, „Handels-Kechnungen des Deutschen Ordens" (Leipzig 1887) 321.
) Lexer, „Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch" (Leipzig 1885) 161; vgl.Heinrich von Neuenstadt, „Apollonius", ed. Strobl (Wien 1875) 333; Hoops,ionQ\ r'4« TZKB ' » Geschi ehte der Messing-Industrie am Niederrhein . . ." (Aachen
8 ) „Sarepta" (Nürnberg 1587) 66, 68, 88, 101, 136, 178; Erwähnung einermessingenen Füllfeder ebd. 95.
9 ) Peltzer, a. a. O. ">) „Geschiehts-Blätter" 1, 257. u ) Peltzer 63.12 ) Peltzer 141, 154; Schrader, „R. L." 178. 13 ) Peltzer 67 ff.
11 ) Rossignol 270. «) Berthelot, „Inte." 55, 275.