Besitz sie sich bereits befanden J ), so fehlt bisher jedenfalls der Nachweis,daß und auf welche Art sie ihre Kenntnisse aus dem Orient empfingen;woher sonst sie ihnen zukamen, bleibt aber allerdings ebenfalls im Dunkeln,und so liegt hier eines der zahlreichen noch ungelösten Rätsel vor, wiez. B. das betreffs der oben erwähnten Kupferbeile der Charente, die einegewisse Zeit lang bis 3% Arsen enthalten, während sie sich nach derenAblauf gänzlich arsenfrei erweisen 2 ).
Die Indogermanen kennen vor ihrer Trennung und der Zeit derbeginnenden Abwanderung aus ihrer immer noch vielumstrittenen Ur-heimat, also um 2500 und gegen Ende der jüngeren Steinzeit, nur einMetall, das Kupfer, benützen aber auch dieses nur in sehr beschränktemUmfange, und zwar in Form von Schmucksachen, Flachbeilen, Dolchen,Pfriemen, vielleicht auch Sicheln; sie verstehen, es in Steinformen zugießen, nicht aber, es zu schmieden 3 ). Nach dem einen Namen des Kupfers,,,ayas" (lat. aes), der zu den ältesten Bestandteilen des indogermanischenWortschatzes gehört, benennen sie später die ihnen neu bekannt werdendenMetalle, z. B. Gold, als „das gelbe", Silber als „das weiße", Eisen (Stahl)als „das blaue", nämlich Metall 4 ); ein zweiter Name ist raudhä oderroudhos, der das Kupfer als das „Rote" bezeichnet, aber auch mit demanklingenden sumerischen urudu in Zusammenhang stehen soll, — so wiepereku, das Beil, gr. nelexvq (Pelekys), sanskr. paracu, mit sumer. balag,assyr. pilakku —, ohne daß sich aber angeben ließe, wo oder gar wanndiese Beziehung vermittelt wurde 5 ). — Daß die westlichen Finnen auchvom Kupfer (rauta, ruda) erst durch indogermanische Nachbarn Kundeerlangt hätten, trifft nicht zu; sie waren offenbar schon in ihrer altenHeimat, als die das Ural-Gebiet angesehen wird, mit ihm wohlvertraut 6 )und erklären es in ihren Volkssagen als das älteste Metall. In der „Kalewala"wird daher der Gott Ilmarinen gleich mit den kupfernen Geräten desSchmiedes geboren, Kupferschmiede spielen eine große Rolle, und dasKupfer (nicht aber die ganz unbekannte Bronze) findet unzählige Ver-wendungen 7 ); das nämliche ist im „Kalewipoeg" der Fall, und in den„Esthnischen Märchen" gelten u. a. auch kupferne Geräte als „bei unszu Lande verfertigt" 8 ).
Seit wann in China und Indien Kupfer bekannt ist, und ob mandaselbst eine eigentliche, jener der Bronze vorausgehende Kupferzeit anzu-nehmen hat, entzieht sich nach Maßgabe der vorliegenden Funde und Be-richte noch jeder Beurteilung 9 ); die zahlreichen von Peizmaier zusammen-gestellten chinesischen Angaben sind teils unklar, teils verraten sie sicht-lich schon arabische Einflüsse, wie die über das männliche und weiblicheKupfer, über den „Geist des Kupfers", über die fünf farbigen Arten desKupfers, über die „Blüte des Kupfers" (= Grünspan), die gemeinsam mit
J ) Scbxiz, bei Hoor-s 3, 452. 2 ) Forrer, „R. L." 46.
3 ) Schrader, „TJrg." 117 ff.; „R. L." 727; Ed. Meyer, „Alt." 1, 764 ff., 768.
4 ) Schrader, „TJrg.", a. a. 0.; „R. L." 540.
5 ) Schrader, „Urg." 58 ff., 117 ff. e ) ebd. 58 ff.
7 ) „Kalewala", üb. Schiefner 18, 23, 70, 232, 290.
8 ) „Esthnische Märchen" 325.
9 ) Vgl. Hoernes, „Uizeit" 2, 119 ff.; über Kupferbergbau bei den Tschuden,sowie in Japan im 7. Jahrhundert v. Chr., s. ebd. 2, 112 ff., 115.