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6. Abschnitt: Die Alchemie im Okzident.
Sta. Maria del popolo zu Rom, um 1516 1 ). Bei den älteren unter ihnenfehlen ins einzelne gehende Einflüsse der bekannten Übermittlungen ganz,es sei denn, daß (wie schon bei Lorenzetti) die Sonne, statt ihrer aber oftauch der Jupiter, in Gestalt eines Königs mit der Krone erscheint, wieeinstens Mithras 2 ). Erst in der Gruppe des Dogenpalastes (1350, 1400)führt Merkur die Bezeichnung „Stilbons" (= axiXßmv, Stilbon, derGlänzende) und hält Mars ein Banner mit der Inschrift „De ferro sum"(Ich bin aus Eisen) 3 ), und bei Miretto (1420) trägt letzterer Gott einenroten Mantel *); dieser Künstler bildet auch zum ersten Male Merkurals Astrologen ab 6 ), während ihn Duccio (1455) als Hermes Psycho-pompos auffaßt und mit Schlangenstab und Mandoline ausstattet, an derenStelle bei Cossa (1470) eine Geige tritt, beide als Ersatz der antikenLeyer 6 ). Perugino greift schon ganz offenbar auf die antiken Typenzurück, nach Art der in den gleichzeitigen Holzschnitten zum „Astro-labium" des Joh. Angelus (Venedig 1494) und in den Stichen des Baldinizutage tretenden 7 ), und bei Rapfael vollends tragen die Planeten dieausgesprochene Gestalt der alten Götter, werden aber zugleich von Engelngeleitet 8 ). Nur sehr langsam, dem allmählichen Fortschritte entsprechend,der zur Entfaltung der Renaissance führt, ändert sich also auch die Auf-fassung und Nachbildung der Planeten; erst das volle, für die Höhezeitder Renaissance so bezeichnende Wiederhervortreten der mystischen, aber-gläubischen und astrologischen Elemente 9 ) bringt sie auch als Tages -götter und Vertreter der Siebenzahl-Theorie abermals zu Ehren 10 ), lehrtaufs neue ihren Zusammenhang mit Metallen, Steinen, Pflanzen, körper-lichen Teilen und geistigen Eigenschaften, Lebensaltern, Farben, Ge-rüchen, Tönen, Buchstaben usf. u ) und veranlaßt ihre schon oben erwähntenenzyklopädischen Darstellungen in Verbindung mit den 7 Tugenden undLastern, Sakramenten und Todsünden, Wissenschaften und Künsten, mitden Musen als Vorsteherinnen der Sphärenharmonie und Leiterinnen derHimmel und Himmelskörper la ), mit den Propheten und Heiligen, oder mitden Jahreszeiten und Tierkreisbildern. Ein Versuch, die fernere künst-lerische Entwicklung der einschlägigen Gestalten, der Symbole und Attribute,der für die Planeten genau zu berücksichtigenden Farbengebung usf., imeinzelnen zu erörtern, ist aber an dieser Stelle ausgeschlossen.
Die ziemlich zahlreichen alchemistischen Gemälde und Stiche ausspäteren Zeiten stellen teils die von auffälligen Apparaten und seltsamemUrväter-Hausrat erfüllten Laboratorien dar, teils tragen sie, gleich denbekannten TENiERSschen, den Charakter von satirischen oder Genre-Bildern ; Belehrung über die Geschichte der alten Alchemie bieten sie dahernicht mehr.
!) Fuchs 68. 2 ) ebd. 18, 21, 33; auch 45, 57, 65. 3 ) 35, 36;*) ebd. 45. 5 ) ebd. 46.
') ebd. 53, 58, 90; vgl. Apollos mit der Geige auf Raffaels „Parnaß".') Bombe, a. a. O., Vorr. 22. 8 ) Fuchs 68. 9 ) ebd. 13, 47, 49, 61.10 ) ebd. 13, 61, 64 ff. u ) ebd. 12, 13, 61. l2 ) ebd. 48, 9.