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4. Abschnitt: Die Alchemie im Orient.
Auch alte abergläubische Vorstellungen (die sich zum Teil bis zur Gegen-wart erhielten) kennen nur ein „Kraut der Unsterblichkeit" 1 ); die spätereTao-Lehre läßt den Hasen, den die Chinesen im Monde zu erblicken glauben,in einem Mörser die Kräuter zur Gewinnung des Unsterblichkeits-Trankeskleinstoßen 2 ); auch Chang-tao-ling, der um 70 n. Chr. erster „Meisterdes Himmels", d. h. erstes eigentliches Oberhaupt der Tao-Hierarchiewurde, soll seinen Trank des ewigen Lebens in einer verborgenen Höhledes Gebirges zubereitet haben 3 ), also wohl aus Pflanzenstoffen. Wenndie Sage hinzufügt, die kostspieligen Versuche hätten seine ganze Barschaftverschlungen, so bezieht sich dieses vermutlich auf die seit jeher für ganzbesonders wirksam erachteten Zusätze an Perlen und edlen Steinen oderMetallen, betreff derer ein Buch von 1108 schon ausführliche Auszügeaus Werken der Vorzeit gibt 4 ); zu den aus diesen stammenden Mythengehört u. a. die seitens Peizmaiers angeführte vom „Edelsteinfett", dasaus gewissen unzugänglichen Bergen quillt, binnen 10000 Jahren allmählichzerrinnt und dabei schließlich zur Pflanze der Unsterblichkeit wird, diedem glücklichen Besitzer wenn nicht ewiges, so doch wenigstens tausend-jähriges Leben gewährleistet 5 ).
Für die Behauptung, die Bewohner des „Reiches der Mitte" hättensich bereits in so weit zurückliegender Ferne eingehender Kenntnisse minera-logischer und chemischer Natur erfreut, fehlen bisher glaubhafte Beweise.Gegen sie spricht es aber, daß die Chinesen, nach so genauen Kennernihrer älteren und neueren, gelehrten und volkstümlichen pharmakologischenLitteratur wie Hanbury 6 ) und Hübotter 7 ), zu keiner Zeit über dieempirische Handhabung gewisser für die Praxis (namentlich die metal-lurgische und keramische) brauchbarer Verfahren hinauskamen; sie besaßenweder eigenartige chemische Methoden noch Apparate einheimischer Her-kunft, sie verwandten als mineralische „Heilstoffe" teils völlig unwirk-same Substanzen, teils ganz unreine und rohe, und sie gelangten niemalszu einem zureichenden Begriffe von der Notwendigkeit und Art richtigerDosierung 8 ). Aus der Reihe der in älteren Schriften sowie im „Pen-tsao"erwähnten und unter Angabe der einheimischen Fundorte 9 ) aufgezähltenMineralien seien hier angeführt: die Edel- und Schmucksteine, an derenSpitze der unermeßlich kostbare Yü (Jadeit, Nephrit) steht, hervorgehenddurch allmähliche Reifung und Gerinnung der edelsten Teile einer imErdboden enthaltenen Materie Ki 10 ); die Edelmetalle und Metalle, d.s.Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei (das aber zugleich auch Zinn und Zinkmit umfaßt) sowie ihre Erze, u. a. das an der Grenze gegen Anam bei
x ) Grube, „Litt." 441. 2 ) Grube, „Rel." 169. 3 ) ebd. 117.
*) Tschibch, a. a. 0. 517; daß Edelsteine, sowie Gold und Silber, heilen, stärkenund auch Reichtum verschaffen, ist noch jetzt chinesischer Volksglaube (Hübotter,a. a. O. 49, 52).
6 ) Pfizmaier, „Zur Geschichte der alten Metalle" (Wien 1860?; Akad. Ber.,Bd. 50) 56, 64.
6 ) Hanbury, „Science papers" (London 1876): „Notes on Chinese materiamedica" 211 ff.
7 ) Hübotter, a. a. O. 8 ) Hanbury 216. 9 ) ebd. 221.
10 ) Grube, „Litt." 101; über die vielerlei vorgeblichen Umwandlungen des Ki•vgl. Berthelot, „Arch." 205, 210, 214, nach De Mely.