Chemie und Alohemie in China.
453
oder weniger vollkommener Weise erreichbar. So zweifelten die altenMexikaner nicht an der Wirksamkeit ihres Unsterblichkeits-Trankes x ); beiinnerafrikanischen Negerstämmen begegnete Schweiottttbth dem Glauben,man vermöge mittels gewisser Pflanzensäfte Gold zu erzeugen oder dieewige Jugend zu gewinnen 2 ); sowohl südamerikanische wie südasiatischeVölker hielten sich für überzeugt, daß bestimmte Pflanzen, besonders dievermeintlich der Sonne oder dem Monde zugehörigen, nicht nur verborgeneSchätze finden ließen, sondern auch selbst Gold oder Silber hervorbrächten,während wieder bestimmte andere (z. B. solche die Erschöpfte stärken,Kranke heilen, weiße Haare schwarz färben) auch Jugend, Gesundheit,Zeugungsfähigkeit, langes Leben, ja Unsterblichkeit verliehen 3 ). Es kanndaher nicht wundernehmen, auch bei den alten Chinesen schon frühzeitigauf verwandte Anschauungen zu stoßen, die sich hauptsächlich an ihre„großen drei Glücksgüter" (San-fuh) knüpften, d. s. langes Leben, Kinder-segen und Reichtum 4 ).
Bereits im 4. vorchristlichen Jahrhundert ist eine an den Mythusvon der Atlantis anklingende Sage lebendig, von fabelhaften, inmitten desfernen östlichen Ozeans liegenden, für die jetzigen Menschen nicht mehrerreichbaren Inseln, deren Einwohner Paläste und Tore aus Gold und Silber,sowie den Trank des langen Lebens und der Unsterblichkeit besäßen, bereitetaus der Pflanze Ling-chi-tsao 5 ); noch im 3. Jahrhundert v. Chr. rüstetedeshalb der Kaiser Schi-hoanq-ti eine Hotte zur Aufsuchung dieser Inselnaus, die jedoch, obwohl sie unter der Leitung eines besonders hervorragenden„Zauberers" stand, ihre Aufgabe nicht zu lösen vermochte 6 ). In Chinaselbst soll den Unsterblichkeits-Trank zuerst CHxnsrG-Li-KÜAN „erlangt"haben, von dem man nur weiß, daß er noch zur Zeit der Chou-Dynastie(also spätestens 255 v. Chr.) lebte, zu den „acht großen Sien" gehörte,d. h. zu den Genien und Obermeistern aller magischen und geheimen Wissen-schaften, und diesen auch die Kenntnis der neuen Errungenschaft über-mittelte „in der Verborgenheit der tiefsten Wildnis seiner heimatlichenBerge" 7 ). Hiernach wird man annehmen dürfen, daß Cbxtng-li-küansTrank hauptsächlich aus Pflanzensäften bestand, und daß er selbst zujenen Einsiedlern gehörte, deren Erscheinung den während der letztenvorchristlichen Jahrhunderte dem Aberglauben ganz besonders ergebenenChinesen etwas vöUig Neues und höchst Erstaunliches war, und denen mandaher übernatürliche Kräfte aller Art zutraute, z. B. Fliegen durch dieLuft, willkürliches Trennen der Seele vom Körper, Verlängern 'des Lebens,Überwinden des Todes, usf. 8 ). Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Auf-tauchen dieses dem eigentlichen chinesischen Geiste ganz fern liegendenEinsiedlertumes und alles sich daran Knüpfenden mit dem Eindringen desBuddhismus zusammenhängt 8 ), dessen Verbreitung in China, entgegen
i) Humboldt, „Vues des Cordilleres" (Paris 1816) 1, 111.
Gübernatis, „Mythologie des plantes" (Paris 1878) 1, 219 ff.
' tt L rf' ^ 55fL 4) GSUBE ' " Litt -" 228 > 445 -• a L- iT ii ", 92 ' Lm g-chi-tsao, ein Pilz, an den sich noch gegenwärtig
em derartiger Volksaberglauben knüpft, ist eine Varietät des Agaricus campestris (ebd.).
8 ) Grube,7 ) Grube,
„Litt.3el.'
93.
105 ff. ; 90.
8 ) ebd. 90. 9 ) ebd. 113, 142 ff., 197.
MHBBHHMBHBMMaHBB