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4. Abschnitt: Die Alchemie im Orient.
und als sie auf ihren Trank aus Schwefel und Quecksilber verwiesen, nahmer diesen ebenfalls acht Monate lang, starb aber dann trotzdem 1 ), — odereher infolge des Trankes, den man vielleicht wirklich mit aus Schwefelund Quecksilber zusammenbraute, statt aus den unter diesen symbolischenNamen zu verstehenden Bestandteilen. Für die Dauerhaftigkeit undFestigkeit, mit der sich solcherlei abergläubische Vorstellungen unausrottbarerhalten, zeugt Pigafetta, der Begleiter des Magelhaes auf der erstenReise um die Erde (1519—1522), der zu melden weiß, daß die Mohammedanerauf gewissen Inseln des ostindischen Meeres einen derartigen Trank ge-nießen, der nicht nur die Krankheiten heilen, sondern auch die Gesundheitdauernd erhalten soll, weshalb Quecksilber und Zinnober daselbst sehrgesucht seien und hoch im Preise stünden 2 ).
Zugunsten des arabischen Ursprunges der indischen Alchemie sprechenendlich noch die Tatsachen, daß das Kupfer bei den indischen Alchemisteneinen anderen Namen führt als in der Sanskrit-Litteratur, was für dasspäte Aufkommen der betreffenden Lehren sehr bezeichnend ist 3 ), fernerdaß die Vorschriften für das Leben und Verhalten der Alchemisten völligmit den arabischen (ursprünglich griechischen) übereinstimmen *), undendlich daß nicht nur die chemischen Operationen nebst ihren Namen undBezeichnungen, sondern auch die zur Ausführung vorgeschriebenen Geräteund Apparate durchaus den wohlbekannten arabischen (griechischen)gleichen 5 ). Daß die Inder sie trotzdem für sich selbst in Anspruch zunehmen und einheimischen Erfindern zuzuschreiben trachten, kann nichtüberraschen, aber auch nicht überzeugen, um so mehr als das nämlicheBestreben auch bei anderen Gelegenheiten hervortritt, z. B. beim Versuche,der Kunst, metallisches Zink darzustellen (die, soweit sich übersehen läßt,aus China nach Indien gelangte) 6 ), indischen Ursprung zu sichern, wobeidann als Erfinder (wie oben angeführt) die verschiedensten Gelehrtenausgegeben, und mit großer Willkür bald in das 11. oder 12., bald in das13. oder 14. Jahrhundert versetzt werden 7 ).
1 ) Lippmann a. a. O.; Ray 1, Vorr. 48.
2 ) Pigafetta, „Magellans Reise um die Welt" (Gotha 1801) 155, 157.
3 ) Jolly, A. Nat. 6, 195.*) Ray 1, 64 ff.
6 ) ebd. 1, 36 ff., 65, 67 ff., mit Abbildungen 1, 36 ff., 151 ff.; Eheenfeld,M. G. M. 7, 151. Die alten Vorrichtungen zur Darstellung der Quecksilber-Präparateheißen Yantra (Bloch, bei Ptjschmann 1, 145) und stehen zum Teil noch bis aufunsere Tage herab fast unverändert in Gebrauch (Berthelot, „Aren." 189ff.).
6 ) Hofmann, „Berg- und Hüttenmännische Zeitung" 41, 46.
7 ) Fdr den arabischen Ursprung der indischen Alchemie spricht sich auchRuska aus („Der Islam" 1914; 5, 271). Er erinnert daran, daß Indien'Queck-silber und Zinnober nicht oder kaum besitzt, daß der Schwefelkies nach Garbemäkshika, (= Honig) heißt, welche falsche Etymologie sichtlich an das arabischemirkasita anknüpft, daß demgemäß hema- und tära-mäk3hika (= Gold- und Silber-Markasit) nichts anderes als Entlehnungen dieser bei den arabischen Autoren sovielgebrauchten Bezeichnungen sind, usf. — Indische Aneignungen arabischer Er-rungenschaften liegen zudem auch auf dem Gebiete anderer Wissenschaften vor,z. B. auf dem der Astronomie.