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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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4. Abschnitt: Die Alchemie im Orient.

Autoren begreiflich und verzeihlich sein mag *), dem aber, selbst nochneuestens, auch europäische Gelehrte (z. B. G. Oppebt) stattgaben, nament-lich auf dem ihnen häufig nicht genügend vertrauten naturwissenschaft-lichen Gebiete. Infolge dieser Umstände bleibt es bei vielen Quellen-schriften dahingestellt, ob sie überhaupt zur angenommenen Zeit verfaßtwurden, ob sie, wenn dies zutrifft, seither frei von weitgehenden Ein-schiebungen blieben, und ob, wenn auch dies der Fall ist, die vorausgesetzteBedeutung der Fachworte als richtige und mit der ursprünglichen nochübereinstimmende angesehen werden darf. Diese Fragen vermag die Wissen-schaft derzeit in vielen Fällen gar nicht, in anderen nur mit großer Zurück-haltung zu beantworten, und demgemäß ist auch der Wert der im nach-stehenden gegebenen Darlegungen nach mehr als einer Richtung hin nurmit aller Vorsicht einzuschätzen.

Die früher weitverbreitete Ansicht, die nach dem Süden einwanderndenInder hätten schon zur Zeit der Entstehung ihrer heiligen Gesänge, derVeden (etwa zwischen 1500 und 1000 v. Chr.), die Planeten verehrt undihre Siebenzahl mit der der Metalle in Verbindung gebracht, hat sich längstals vollkommen irrtümlich erwiesen. In den älteren Teilen der Vedenwerden zwar Sonne und Mond oft zusammen genannt, auch gemeinsammit den Sternen als himmlische Feuer bezeichnet, besondere Erwähnungender Planeten und einer Gesamtheit von 5 Wandelsternen oder 7 Planetenfehlen jedoch 2 ); von Siebenheiten, z. B. der großen Götter, der Jungfrauen,der Töne, der Ströme, der Schritte usf. ist zwar zuweilen die Rede 3 ), dochhaftet diesem Begriffe, der einem festen Rahmen gleich benützt und aus-gefüllt wird, sichtlich etwas Fremdes an, so daß er wohl von außen über-nommen wurde und vermutlich, ebenso wie gewisse Spuren im vedischenKalender, auf babylonische Einflüsse hinweist 4 ). Was die Metalle an-belangt, so gilt allein das Gold, — wie aus naheliegenden Gründen beiso vielen Völkern der ganzen Erde —, als Symbol der Sonne, ferner auchals wesensgleich mit dem Gotte des Feuers Agni und als entstanden ausdessen Samen, der sich, in die Wässer ergossen, zu dem Golde umwandelte,das die Flüsse mit sich führen 5 ). Erst in jüngeren Abteilungen derVeden, besonders im Atharva-Veda, lassen sich manche Stellen, wenn-gleich keineswegs mit Sicherheit, als Hinweise auf 5 oder 7 Planetenauffassen 6 ), und zu den unzähligen (zum Teil auf sehr alte Grundlagenzurückgehenden) abergläubischen Bemerkungen, die daselbst vorgetragenwerden, zählen auch die, daß Gold ein kräftiges Amulett sei und dasLeben verlängere, Blei aber vor der Macht der Zauberei schütze 7 ).

1 ) Daß indische Prioritätsansprüche „nicht selten auf willkürlicher Umdeutung,zuweilen sogar auf Fälschung beruhen," gilt nicht nur betreff der Medizin, auf diedieser Ausspruch Jollys in erster Linie gemünzt ist (M. G. M. 6, 164).

2 ) Thibaut, „Astronomie, Astrologie und Mathematik" im „Grundriß derIndo-Arischen Philologie und Alteitrnukünde" (Stiaßbuig 18S9) 6; Behssen, „Gesch.d. Philos." (Leipzig 1894) 1 (1), 108, 111.

3 ) Oldenberg, „Religion des Veda" (Berlin 1894) 116 fl, 187, 462.

*) ebd. 187, 193ff.; Kugler 119ff. *) Oldenberg, a. a. O. 90, 108.•) Detjssen 1 (1), 219, 210.

7 ) Prafhtjlla Chandra Ray, „History of Hindu Chemistry" (Bd. 1: London1902; Bd. 2: Calcutta 1909) 1, Vorr. 6, 36. — Der Verfasser ist geborener Indier.