Die Alchemio in Indien und Tibet.
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Beginn der arabischen Eroberung unausgesetzter und eifriger Pflege. Derav i Tunis gebürtige Ibn Khaldtjn (1332—1406) eiferte zwar, wie weiteroben berichtet wurde, nach Kräften gegen die Schwindeleien und Be-trügereien der Alchemisten, die er namentlich auch der Münzfälschungbeschuldigte, aber seine Stimme verhaute ungehört, und noch anderthalbJahrhunderte später erzählt der sog. Leo Afeicantjs (gest. 1526) in seiner„Beschreibung Afrikas" 1 ): „In der Stadt Fez gibt es eine Unmenge Alche-misten, die sich ganz ungeheuer um diese eitelste aller Künste bemühen;es sind das völlig verdummte Menschen, die sich mit Schwefel und anderenstinkenden Sachen zu tun machen; des Abends pflegen sie regelmäßigin einer Moschee auf einer Anhöhe zusammen zu kommen und über ihreunsinnigen Lehren zu disputieren. ... Es gibt ihrer zwei Arten, die einensuchen nämlich nach dem Elixir, das Kupfer und Metalle tingieren soll,die anderen aber betreiben die , Vermehrung' (multiplicatio) der Metallevermöge geeigneter Vermischungen. Gewöhnlich läuft alles auf Falsch-münzerei hinaus, daher sieht man in Fez die meisten dieser Leute mit[zur Strafe] abgehauener Hand herumlaufen."
Über das Treiben der Alchemisten in Fez und Tanger zu Beginn des17. Jahrhunderts berichtet der englische Kapitän Pabby 2 ), und ausgestorbenist die Alchemie in Nord- und Nordwest-Afrika auch während der seithervergangenen drei Jahrhunderte nicht; „noch heute, — so sagt Dotjttemit Becht 3 ) —, beherrscht der Zauberglaube der ausgehenden Antike diegesamte islamische Welt".
6. Die Alchemie in Indien und Tibet.
Noch weniger weit als die Erforschung der naturwissenschaftlichenarabischen Litteratur ist die der indischen fortgeschritten, auch bestehenauf diesem Gebiete ganz eigenartige Schwierigkeiten allgemeiner und be-sonderer Natur, die bisher nur zum kleinsten Teile behoben werden konnten.Die erste ist der dem indischen Geiste eingeborene völlige Mangel an chrono-logischem Sinne, der u. a. auch in dem fast gänzlichen Felden einheimischerGeschichtschreiber oder Annalisten zutage tritt. Die zweite die eigentüm-liche Art der Abfassung indischer Werke, die, um einen der Botanik ent-lehnten Ausdruck zu gebrauchen, durch Intussuszeption wachsen, d. h.neue Materialien ohne weiteres und immer wieder mit in ihren alten Bestandaufnehmen oder einlagern, wodurch dann unübersichtliche und unentwirr-bare Gebilde entstehen, wahre Ineinander-Schachtelungen der mannig-faltigsten, oft um ein halbes Jahrtausend und mehr an Alter verschiedenenEinzelheiten. Die dritte endlich die Neigung, das Alter der vorhandenenSchriften und ihres gesamten Inhaltes in eine möglichst entlegene Ver-gangenheit hinaufzurücken, — ein Bestreben, das bei den einheimischen
*) „Afncae descriptio" (Leiden 1632) 146, 352; Schmiedes. 109; Kopp,M x>6itr. o, lö.
2 ) Moehsen, „Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften usw." (Berlin1783) 31.
3 ) A. Rel. 15, 561 ff.