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3. Abschnitt: Chemie und Alchemie.
kundigen Philosophen Demokbitos (gest. um 360 v. Chr.) zu den merk-würdigsten Erscheinungen der gesamten Geschichte der Wissenschaftenzählt. Den ersten Ausgangspunkt dieser auffälligen Entwicklung scheintdas Wanderleben des echten Demokbitos gebildet zu haben. LangjährigeReisen, deren Umkreis die Folgezeit immer weiter ausdehnte, führten ihnangeblich bis zu den entferntesten Völkern Asiens und Afrikas, den Indernund Äthiopen, ließen ihn die vielseitigsten Erfahrungen schöpfen und der-artige Kenntnisse in den reinen Wissenschaften (Zoologie, Botanik, Minera-logie, . . .), aber auch in den angewandten (Sternkunde, Meteorologie,Technik, . . .) gewinnen, daß er zwar den einen als „typischer Vertreterder Vielwisserei" erschien, dafür aber den anderen als Mann von fastübernatürlichen Fähigkeiten 1 ). Diese sollte er dann entweder im Um-gange mit ägyptischen und chaldäischen, persischen und arabischenZauberern und Magiern erworben haben 2 ), oder dank absonderlicherFunde, wie denn z. B. Plinitts erzählt, er habe aus dem Grabe desDabdanos, „des Stammvaters der Trojaner, des Begründers der samo-thrakischen Mysterien und der Magie", dessen verborgene Geheimschriftenzutage gefördert 3 ).
Von den (etwa 80) Werken, als deren Verfasser Demokbitos gilt 4 ).und deren Titel meist fragwürdigen Alters sind 5 ), besitzen wir nur nochspärliche Bruchstücke, deren ausgezeichnete Zusammenstellung durchDiels ersehen läßt, daß Demokbitos in der Tat der klare, bestimmteund einflußreiche Denker war, als den ihn. schon Aeistoteles preist, undder er auch gewesen sein muß, sollte sein bloßer Name hinreichen, umuntergeschobenen Nachahmungen entsprechende Beachtung zu sichern.Wann man solche vielfach wohl an Echtes anknüpfende Pseudepigraphenabzufassen begann, steht nicht sicher fest, doch dürfte es zuerst bald nach300 v. Chr. der Fall gewesen sein, denn schon um 250 (oder etwas später)tritt der wichtigste und bereits völlig systematische Fälscher auf, Bolosvon Mende (oder Mendes) in Ägypten 6 ). Unter dem Namen des Demo-kbitos gab er verschiedene Werke magischen, astrologischen, medizinischenund landwirtschaftlichen Inhaltes heraus, erfüllt von zauberischen, mysti-schen und mantischen Ideen aller Art, vom Glauben an gute und böseGeister, die sich durch Zeichen, Weissagungen und Träume kundgeben,usf. 7 ), ferner eine Art Enzyklopädie, in der er die Ergebnisse griechischerWissenschaft und ägyptischer Technik mit den angeblich uralten Über-lieferungen persischer Magier (Zoboastee, Ostanes, . . .) zu vereinigensuchte, und deren Titel ,,%siQ6Kfj,r}ta xal <pvoixä övrajusgä" (etwa =„Wirkungen künstlicher und natürlicher Kräfte") gelautet zu haben
J ) Ed. Meyer, „Alt." 5, 340 ff.; Wellmann, PW. 5,135; Diels, „Vorsokratiker"(Berlin 1912), 2, 122ff.; Nestle, „Die Vorsokratiker" (Jena 1908), 63.
2 ) Diels, „Vors." 2, 1.0ff.; Pietschmann, PW. 2, 355.
3 ) Plinitts, lib. 30, cap. 9; Wellmann, PW. 4, 2180.
4 ) Wellmann, PW. 5, 135; Diels, „Vors." 2, 19 ff. 5 ) Diels, „Vors." 2, 54.
6 ) Einen anderen weit jüngeren Autor des gleichen Namens scheint Galenoszu erwähnen (Diels, „Vors." 2, 160).
7 ) Wellmann, PW. 3, 676, 2105; 5, 135; Suppl. 1, 255; M. G. M. 15, 52.