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3. Abschnitt: Chemie und Alchemie.
hier kein alchemistisches Verfahren in Frage, sondern nichts weiter, alseiner jener so naheliegenden Versuche, die, unzählige Male unter den ver-schiedensten Verhältnissen fruchtlos angestellt, Veranlassung zur Ent-stehung des Sprichwortes gaben: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt."
Nicht anders verhält es sich mit dem vielberufenen „Experiment desKaisers Caligttla" (37—41 n. Chr.): wie Plinius berichtet *), befahl diesergeldgierige Herrscher, eine große Menge der sehr kostbaren Malerfarbe„Auripigment" auszuschmelzen (excoquere), wobei er zwar Gold von ganzvortrefflicher Beschaffenheit darstellte (fecit), aber, „obwohl vierzehnPfunde zur Umsetzung kamen (permutarentur)", in so geringer Menge,daß der Schaden äußerst empfindlich war. Von einem „ersten Versucheder Transmutation", von dem Beethelot spricht 2 ), kann also gar nichtdie Rede sein; offenbar waren es die goldige Farbe und der goldähnlicheGlanz des gelben Schwefelarsens, die die Hoffnung (spes), daß es auchwirklich Gold enthalte, beim Kaiser oder seinen Ratgebern erregt hatte,und bei letzteren mag ihr die Erfahrung zur Stütze gereicht haben, daßdas Mineral tatsächlich zuweilen schwach goldhaltig befunden wird 3 ).Caligula dachte indessen das Gold einfach ausschmelzen (wörtlich: aus-kochen) zu lassen, und den Worten „fecit" und „permutarentur" darf nichtwillkürlich der Sinn unterlegt werden, er hätte es aus dem Auripigment„machen", oder dieses in Gold „transmutieren" wollen 4 ). Könnte andieser Auffassung noch ein Zweifel bestehen, so würde er durch die Über-legung beseitigt, daß das umfangreiche, von magischen, astrologischen u. dgl.Anspielungen wimmelnde Werk des Plinitjs auch an keiner anderen Stelleirgendwie der Alchemie Erwähnung tut, und daß das Nämliche von derweltberühmten und meist aus den nämlichen Quellen schöpfenden, eben-falls gegen 75 n. Ohr. vollendeten „Arzneikunde" seines ZeitgenossenDioskubxdes gilt; wenn dieser erwähnt 6 ), daß man das Quecksilber „ev/uerdUois" finde, so heißt dies nicht, wie einige Forscher, u. a. anfangsauch Beethelot 6 ), annahmen, „in den Metallen", sondern „in den Berg-werken", und jede alchemistische Bedeutung ist hierbei ausgeschlossen 7 ).
Noch unter der Regierung des Attgitstus scheint Manmus seineschon wiederholt erwähnten „Astronomica" gedichtet zu haben, in deren4. Buche der Vers 248 heißt: „materiamque manu eerta duplicaris et arte",worin ältere Philologen, z. B. Scaligek, eine alchemistische Andeutungerblicken und deshalb den Hexameter für untergeschoben erklären wollten,während er nach Beethelot zwar alchemistische Kenntnis bezeugt, trotz-dem aber als echt angesehen werden muß 8 ). An der Echtheit zweifelnauch neuere Herausgeber nicht 9 ), das „duplicare" ist aber, wie schon
x ) lib. 33, oap. 22. 2 ) „Or." 69.
3 ) „Auripigment ist ein gewisses Zeichen, daß ein Goldgang vorhanden" heißtes noch im 18. Jahrhundert in Hübners „Natur-, Kunst- und Handels-Lexikon"(Leipzig 1746, 1463).
*) Kopp, „Gesch." 1, 41; „Beitr." 28; Riess, PW. 1, 1338.
5 ) lib. 3, cap. 110. «) „Or." 68, 273.
') Kopp, „Gesch." 1, 41 und 3, 98; Hoefer 1, 142; Schmidt, „RealistischeChrestomathie" (Leipzig 1900), 2, 157; Beethelot hat später seine Ansicht selbstals unhaltbar erkannt. 8 ) ,,Or." 70.
") Maniltus, ed. Bbeiteb (Leipzig 1908), 1, 97.